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München Dreifach versuchter Mord in Klinik: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Pfleger

Ein leeres Bett steht in einem Zimmer in einem Krankenhaus (Archivfoto)
Ein leeres Bett steht in einem Zimmer in einem Krankenhaus (Archivfoto)
© Jonas Güttler / DPA
Ein 24-jähriger Pfleger soll in einem Krankenhaus in München mindestens drei Patienten mit Medikamentenüberdosen in lebensgefährliche Situationen gebracht haben – mutmaßlich aus Geltungsdrang. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Aus Geltungsdrang gegenüber Kollegen und Freunden soll ein 24-jähriger Krankenpfleger in München mehrere Patienten mit Medikamenten in lebensbedrohliche Situationen gebracht haben. Nach diesen Taten soll er sich damit gebrüstet haben, an der Rettung der Patienten beteiligt gewesen zu sein, sagte der Leiter der Münchner Mordkommission, Josef Wimmer, am Mittwoch. Die Staatsanwaltschaft München I leitete Ermittlungen wegen dreifachen versuchten Mordes ein. Die Taten sollen sich am Samstag und Ende Oktober ereignet haben.

Tatort ist das Klinikum Rechts der Isar. Vor allem wegen eines aufmerksamen Oberarztes soll der Fall den Ermittlern zufolge aufgefallen sein. Der Arzt habe Blutuntersuchungen veranlasst, nachdem am Samstag im Wachraum der betroffenen Klinik bei einem 91-Jährigen und einer 54-Jährigen unerwartete Komplikationen aufgetreten waren. Durch die Blutuntersuchungen konnte eine hohe Dosis nicht verordneter Medikamente im Blut der Patienten festgestellt werden. Um welche Substanz es sich handelte, wollten die Ermittler nicht sagen. 

München: Alle drei Patienten haben überlebt    

Der Oberarzt habe sich zudem an einen ähnlichen Fall vom 24. Oktober erinnert, bei dem sich der Zustand eines 90-Jährigen in dem Wachraum plötzlich verschlechtert hatte. In allen drei Fällen war der seit Juli in dem Krankenhaus tätige Pfleger eingesetzt worden. Die Klinik zeigte den Mann noch am Sonntag an, am Montag wurde er vorläufig festgenommen. Am Dienstag erging ein Haftbefehl. In seiner Vernehmung habe er sämtliche Vorwürfe bestritten. 

Alle drei Patienten überlebten die Medikamentengabe, einer befindet sich laut Polizei aber in einem nach wie vor bedrohlichen Gesundheitszustand. Polizei und Staatsanwaltschaft wollen mit ihren Ermittlungen herausfinden, ob der Pfleger womöglich noch weiteren Patienten nicht verordnete Medikamente verabreichte. Auf das mögliche Tatmotiv Geltungsdrang kamen die Ermittler durch Chatverläufe, in denen der Verdächtige sich mit der Rettung der Patienten gebrüstet hatte, sagte der Leiter der Münchner Mordkommission, Josef Wimmer, am Mittwoch in München Er habe zeigen wollen, "ich bin ein Pfleger mit Herz und Leidenschaft".   

Neben dem Vorwurf des versuchten Mordes wirft die Staatsanwaltschaft dem 24-Jährigen auch gefährliche Körperverletzung vor. 

Klinikum zeigt sich bestürzt 

Die Klinik zeigte sich bestürzt: "Das Klinikum ist über den Vorfall besorgt und unterstützt alle Maßnahmen zur schnellen und transparenten Aufklärung", hieß es in einer Mitteilung. "Der zuständige Pfleger wurde sofort außer Dienst gesetzt." Die Ermittler lobten die große Kooperationsbereitschaft des Krankenhauses.

Der ausgebildete Altenpfleger war dort seit Juli dieses Jahres über eine Zeitarbeitsfirma tätig und vor allem auf der sogenannten Wachstation im Einsatz, einer Zwischenstation zwischen Intensiv- und normaler Station, auf der Kranke rund um die Uhr betreut wurden.

Die Ermittlungsgruppe der Polizei trägt darum den Namen "Wachstation". Es stelle sich die Frage, ob er noch für weitere Fälle als Täter infrage komme, sagte der Leiter der Münchner Mordkommission, Josef Wimmer. "In enger Kooperation mit dem zuständigen Krankenhaus wird der gesamte Beschäftigungszeitraum des Tatverdächtigen in Hinblick auf mögliche weitere Opfer oder Auffälligkeiten untersucht werden." 

Fall erinnert an den des Patientenmörders Niels Högel

Zuvor war der 24-Jährige in Nordrhein-Westfalen tätig, wo er auch herkommt. Nach jetzigem Stand habe es aber in früheren Beschäftigungsverhältnissen keine ähnlich gelagerten Vorfälle gegeben, sagte Wimmer.

Der Fall erinnert an den des Patientenmörders Niels Högel, den das Landgericht Oldenburg 2019 wegen Mordes in 85 Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt hatte. Er war in Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst als Krankenpfleger in der Intensivmedizin tätig und tötete dort nach Feststellung des Landgerichts insgesamt 85 Patienten, indem er ihnen medizinisch nicht indizierte Medikamente verabreichte. Dabei soll es ihm in erster Linie darum gegangen sein, sich danach um die Reanimation der Patienten bemühen zu können und vor Kollegen zu glänzen.

Tötungsdelikte in der Pflege machen deutschlandweit immer wieder Schlagzeilen. Erst Anfang Oktober hatte das Landgericht München I einen Hilfspfleger wegen Mordes an drei Patienten zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Der Mann aus Polen hatte alten Menschen, die er pflegen sollte, Insulin gespritzt, das als Überdosis tödlich sein kann. Das Klinikum Rechts der Isar ist nicht die erste Münchner Klinik, die von einem solchen Fall betroffen ist. 2016 verurteilte das Landgericht München I eine Hebamme des Klinikums Großhadern wegen siebenfachen Mordversuches im Kreißsaal zu 15 Jahren Haft. Nach Überzeugung des Gerichtes hatte die Frau Patientinnen bei Kaiserschnitt-Geburten heimlich Blutverdünner gegeben. Ohne Notoperationen wären sie gestorben.

rw DPA AFP

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