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München: U-Bahn-Schläger zeigen keine Reue

Nach dem brutalen U-Bahn-Überfall in München sucht die Polizei jetzt nach Zeugen. Die beiden Täter haben die Tat zwar gestanden, bereuen laut Polizei jedoch nichts. Ihr Opfer, ein Rentner, der immer noch im Krankenhaus liegt, sei selbst schuld gewesen.

Nach den Haftbefehlen gegen die beiden Münchner U-Bahn-Schläger wegen versuchten Mordes sucht die Polizei jetzt nach möglichen Zeugen der Tat. Ein 17-jähriger Grieche und ein 20-jähriger Türke hatten am vergangenen Donnerstag in einem Münchner U-Bahn-Bahnhof einen 76 Jahre alten Rentner brutal zusammengeschlagen und ihrem Opfer durch heftige Tritte gegen den Kopf schwerste Verletzungen zugefügt. Sie haben die Tat gestanden und sitzen in Untersuchungshaft.

Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) sprach im Bayerischen Rundfunk von einer "erschreckenden Brutalität" bei dem "feigen Überfall". Er forderte die Bevölkerung zu mehr Zivilcourage auf, um solchen Taten zu verhindern.

Die bereits wegen zahlreicher Delikte polizeibekannten Schläger zeigen laut Polizei keinerlei Reue. Die Schläger gaben zu, den 76-Jährigen zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt zu haben. Der Rentner hatte sie gebeten, ihre Zigaretten auszumachen. Bei ihrer Vernehmung sagte einer der Täter, der Mann sei selbst schuld, weil er sie "angemacht" habe und hätte wissen müssen, dass sie betrunken gewesen seien. Außerdem wird ihnen Diebstahl zur Last gelegt, weil sie dem bewusstlos am Boden liegenden Rentner den Rucksack wegnahmen, in dem unter anderem eine Kamera war. Der pensionierte Schuldirektor erlitt einen mehrfachen Schädelbruch und Hirnblutungen. Im Krankenhaus konnte er gerettet werden. Er befindet sich auf dem Weg der Besserung.

Innenminister will Ausweisung

Der Angriff wurde von einer Überwachungskamera aufgezeichnet. Auf die Schliche kam die Polizei den Angreifern, weil sie kurz vor der Tat von einem Zechkumpanen ein Mobiltelefon stahlen und damit telefonierten. Ein Beamter, der den Fall bearbeitete, erkannte Parallelen und informierte seine Kollegen bei der Mordkommission. Die Auswertung der Verbindungsdaten führte zu einem 20-jährigen Türken aus dem Münchner Stadtteil Milbertshofen. Kurz darauf wurde in München-Pasing sein 17-jähriger Komplize gefasst. Beide Schläger sind wegen Gewaltdelikten sowie wegen Diebstahls und Drogenhandels vorbestraft. Bei der Polizei sind 39 Delikte des Türken und 23 im Fall des 17-jährigen Griechen registriert.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann kündigte ein hartes Vorgehen an. "Wenn es rechtlich möglich ist, werden wir den türkischen Straftäter ausweisen", sagte der CSU-Politiker der "Bild"-Zeitung. Bei dem 17-jährigen Griechen hätten die Behörden keine Handhabe, weil er EU-Bürger sei. Herrmann sprach sich für eine Anhebung der Höchststrafe für solche Gewaltverbrechen von 10 auf 15 Jahre aus. Herrmann bemängelte zudem, die Justiz sei bei früheren Straftaten zu milde mit den beiden Tätern umgegangen. "Die beiden hätten längst hinter Schloss und Riegel gehört. Bloß weil es sich um Jugendliche handelt, können wir nicht so nachsichtig sein", sagte er. "Wir müssen die Bevölkerung vor solchen Gewalttätern schützen." Auch die CDU-Innenexpertin Kristina Köhler sprach sich für ein hartes Vorgehen gegen jugendliche Gewalttäter aus. "Dieser erschütternde Fall belegt: Wir brauchen dringend Mittel und Wege, um jugendliche Intensivtäter aus dem Verkehr zu ziehen, bevor sie jemanden fast totschlagen", sagte sie.

DPA / DPA