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Horror in München: 14-Jähriger totgerast – Staatsanwaltschaft wertet Tat als Mord

Die Münchener Staatsanwaltschaft wertet die Raserei eines 34-Jährigen mit tödlichem Ausgang für einen Jugendlichen als Mord. Nutzen Raser ihre Autos als Waffe? Darüber gibt es immer wieder Diskussionen.

München: Geisterfahrer tötet 14-Jährigen – Polizei verrät Details zum Unfall

Er raste mit seinem dunklen BMW durch die Münchener Nacht und löschte das Leben eines 14-Jährigen aus. Ist ein 34-jähriger Autofahrer deswegen ein Mörder? Die Staatsanwaltschaft in München sagt: ja. Ein Richter erließ nach dem tödlichen Raserunfall in der Nacht zu Samstag auf deren Antrag Haftbefehl gegen den Mann – unter anderem wegen Mordes und dreifachen Mordversuchs. Das bestätigte ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur DPA.

Nach bisherigem Ermittlungsstand fiel der Autofahrer gegen Mitternacht einer Streifenwagenbesatzung auf, weil er auf einer Bundesstraße verbotenerweise gewendet hatte. Der 34-Jährige raste in seinem BMW den Beamten davon, in die Fürstenrieder Straße. Der Streifenwagen habe ihn aus den Augen verloren und nicht verfolgt. "So eine Verfolgung innerhalb der Stadt ist viel zu gefährlich", so die Polizei. Stattdessen hätten die Beamten Verstärkung gerufen.

Münchener Totraser festgenommen

Die Fürstenrieder Straße ist eine sechsspurige Magistrale, die den Münchener Stadtteil Laim durchquert, gesäumt von mehrstöckigen Wohnhäusern. Nach fünfhundert Metern Flucht, an der Kreuzung mit der Aindorferstraße, geschah der Horror.

Eine Gruppe Jugendlicher wollte die Fürstenrieder Straße an einer grünen Ampel überqueren, als der Wagen heranraste – laut "Bild"-Zeitung mit rund 120 Stundenkilometern. Ein 14-Jähriger und eine 16-Jähriger wurden erfasst, vor den Augen ihrer Freunde. Der BMW preschte davon. Erst einen Viertelkilometer weiter war der Wahnsinn vorbei. Polizisten entdeckten den Unfallwagen an der Kreuzung zur Isendorfer Straße, leer. Der flüchtige Fahrer wurde wenig später in einem Park festgenommen. "Dabei leistete er Widerstand", teilte die Polizei mit. Auch der 34-Jährige wurde verletzt.

Für einen der beiden Jugendlichen kam indes jede Hilfe zu spät. Trotz sofort von Polizisten eingeleiteten Wiederbelebungsmaßnahmen starb der 14-Jährige im Krankenhaus. Die 16-Jährige überlebte knapp.

Beging der 34-Jährige einen Mord?

Ein Mensch ist gestorben, durch die rücksichtslose Raserei eines Autofahrers. Doch die juristische Bewertung solcher Fälle ist nicht so einfach, wie es scheint. Erst vor zwei Jahren hat der Bundestag die Aufnahme des sogenannten Raserparagraphen ins Strafgesetzbuch aufgenommen. Er sieht eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren vor, wenn ein Mensch dadurch stirbt, dass ein Autofahrer sich mit "nicht angepasster Geschwindigkeit und grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen". Der Gesetzesnovelle waren mehrere illegale Autorennen mit tödlichem Ausgang vorausgegangen – auf solche Fälle zielt der neue Paragraph ab.

Erst in der vergangenen Woche verurteilte das Stuttgarter Landgericht einen 21-Jährigen auf Grundlage des neuen Strafgesetzbuchparagraphen 315d zu fünf Jahren Jugendstrafe. Er hatte bei rund 160 Stundenkilometern innerorts die Kontrolle über seinen gemieteten 550 PS starken Jaguar-Sportwagen verloren und ein junges Pärchen totgefahren. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Verurteilung wegen Mordes gefordert. "Dass Sie ein Mörder sind, konnten wir nicht feststellen", sagte dagegen die Richterin. Die Verteidigung wertete den Crash als fahrlässige Tötung und verlangte eine Bewährungsstrafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

In einem ähnlichen Fall hatte das Hamburger Landgericht 2018 einen Raser tatsächlich wegen Mordes verurteilt. Der Bundesgerichtshof (BGH) bestätigte die Strafe inzwischen.

Bewertung von Raserei unter Juristen umstritten

Das deutschlandweit erste Mordurteil wegen Raserei wurde dagegen im Februar 2017 vom BGH kassiert. Die Richter sahen den bedingten Tötungsvorsatz bei den beiden Angeklagten nach einem tödlichen Autorennen in der Berliner Innenstadt nicht ausreichend belegt. Im neu aufgerollten Prozess wurden die Männer im März dann erneut wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Diese Entscheidung ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Im Münchener Fall hat die Verkehrspolizei die Ermittlungen übernommen. Die Beamten müssen das Geschehen möglichst genau rekonstruieren. Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung sei die "Überprüfung einer möglichen Beeinflussung des Fahrers durch berauschende Mittel", so ein Sprecher der Polizei. War der 34-Jährige besoffen oder stand er unter Drogen?

Für eine tatsächliche Verurteilung wegen Mordes muss ein Gericht vor allem eine andere Frage bejahen: Nutzte der Totraser sein Auto als "gemeingefährliches Mittel", um einen Menschen zu töten; war der Wagen für ihn also eine Mordwaffe? Die Beurteilung wird – das dürfte jetzt schon feststehen – wieder für heftige Diskussionen sorgen, nicht nur unter Juristen.

Am Unfallort in der Fürstenrieder Straße stehen jetzt Kerzen und Grablichter neben einer Litfaßsäulde. Freunde und Familie trauern um ein Leben, das nur 14 Jahre lang war. Am Montag will die Münchener Staatsanwaltschaft weitere Auskünfte zu dem Fall geben.

Quellen: Polizei München, "Bild"-Zeitung, Strafgesetzbuch, Nachrichtenagenturen DPA und AFP

wue