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Murdoch-Angreifer Jonnie Marbles: "Schaumschläger" muss hinter Gitter

Mit seinem spektakulären Schaumangriff auf Rupert Murdoch wurde Jonnie Marbles weltweit bekannt. Jetzt hat ihn ein Gericht zu einer Haftstrafe verurteilt. Der Comedian spottet indes weiter über sein Opfer.

Von Carsten Heidböhmer

Jonnie Marbles muss ins Gefängnis. Ein Gericht in London verurteilte den Comedian wegen Störung der öffentlichen Ordnung zu sechs Wochen Haft. Mindestens drei muss er absitzen. Marbles war mit seinem Schaumangriff auf den Medientycoon Rupert Murdoch berühmt geworden. Der 26-Jährige war während einer Anhörung vor dem Parlamentsausschuss für Kultur und Medien auf Murdoch losgestürmt und wollte einen Pappteller mit Rasierschaum auf ihn schleudern. Doch er konnte von dessen Ehefrau Wendi Deng gestoppt werden, die sich dem Angreifer furchtlos entgegenwarf und für ihre kräftigen Hiebe viel Respekt erntete - auch vom politischen Gegner.

Marbles, der mit bürgerlichem Namen Jonathan May-Bowles heißt, ist bereits mehrfach als Comedian und Politaktivist in Erscheinung getreten. Er gehört der im Oktober 2010 gegründeten Protestgruppe UK Uncut an, die sich gegen Konzerne und reiche Privatleute wendet, die in Großbritannien mit allen Tricks ihre Steuerlast reduzieren. UK Uncut kritisiert den rigiden Sparkurs des britischen Premierministers David Cameron mit dem Hinweis, es gebe im Königreich kein Ausgaben-, sondern ein Einnahmenproblem. Das resultiere daraus, dass Reiche zu wenig oder überhaupt keine Steuern zahlten.

"Der demütigste Tag meines Lebens"

Diese Botschaft untermauert UK Uncut immer wieder mit Aufsehen erregenden Aktionen. Bekannt wurde die Gruppe 2010 mit ihrem Protest vor einem Londoner Vodafone-Laden. Damit wiesen die Aktivisten auf einen Deal hin, mit dem der Telefonkonzern seine Steuerlast von sechs auf weniger als zwei Milliarden Pfund reduziere. Nach der Aktion gründeten sich zahlreiche weitere Einheiten in ganz Großbritannien, die lose miteinander verbunden sind und die ihre Aktionen über Twitter, Facebook oder andere Websites abstimmen. Bei einer Aktion im vergangenen Dezember war Marbles schon in einmal mit der Polizei aneinandergeraten.

Von der Attacke auf Murdoch hat sich die Gruppe jedoch sofort distanziert - es habe sich um eine Einzelaktion Jonnie Marbles gehandelt. Der hatte sich bereits in der vergangenen Woche schuldig bekannt - und dieses Geständnis für eine weitere ironische Spitze auf den australischen Medienzaren genutzt: Es sei "der demütigste Tag meines Lebens", sagte Marbles. Es waren die gleichen Worte, die auch Murdoch bei seiner Parlamentsanhörung verwendet hatte.