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Mutmaßlicher H&M-Geiselnehmer: Verteidiger spricht von "wahnhafter Psychose"

Stundenlang soll der Angeklagte 19 Menschen in einer H & M-Filiale bedroht haben. Nun wird dem mutmaßlichen Geiselnehmer von Leipzig der Prozess gemacht. Die Öffentlichkeit muss draußen bleiben.

Der Prozess gegen den mutmaßlichen Geiselnehmer in der Leipziger Innenstadt wird hinter verschlossenen Türen geführt. Das Gericht gab am Dienstag kurz nach Prozessauftakt einem entsprechenden Antrag der Verteidigung statt. Der Beschuldigte sei möglicherweise zur Tatzeit in seiner Steuerungsfähigkeit stark eingeschränkt gewesen, begründete der Vorsitzende Richter der 5. Strafkammer, Berthold Pfuhl, die Entscheidung. Zudem werde der Angeklagte möglicherweise nicht zu einer Haftstrafe verurteilt, sondern in die Psychiatrie eingewiesen. In solchen Fällen sehe das Gesetz grundsätzlich die Möglichkeit vor, die Öffentlichkeit von der Verhandlung auszuschließen. Das Urteil werde aber öffentlich verkündet. Bisher sind drei Verhandlungstage geplant.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 41-Jährigen vor, am 15. Juni mit einer scharfen Waffe in ein Modegeschäft in der Leipziger Innenstadt eingedrungen und dort 19 Kunden als Geisel genommen zu haben. Er habe die Geiseln unter anderem mit den Worten "Runter, runter, oder ich schieße!" bedroht. Um dem Nachdruck zu verleihen, habe er den Menschen auch das geladene Magazin seiner Pistole gezeigt. Der Mann habe dann gefordert, über die Medien die ihm angeblich widerfahrene fehlerhafte Ärztebehandlung öffentlich zu machen. Als ihm dies gelungen war, ergab er sich nach dreieinhalb Stunden widerstandslos der Polizei.

Der Angeklagte war bereits im Dezember 2007 vom Amtsgericht Leipzig wegen unerlaubten Waffenbesitzes und unerlaubten Besitzes von Munition zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten verurteilt worden, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Verteidiger Stefan Lorenz erklärte am Dienstag, er wolle für seinen Mandanten einen Freispruch erreichen. Dieser habe zur Tatzeit an einer "wahnhaften Psychose" gelitten und sei in seiner Steuerungsfähigkeit eingeschränkt gewesen. Diese Erkrankung sei aber mittlerweile abgeklungen, sodass von ihm keinerlei Gefahr mehr ausgehe. Eine zwangsweise Unterbringung in der Psychiatrie komme daher auch nicht infrage. Sein Mandant bitte zudem alle durch seine Tat betroffenen Menschen um Verzeihung. Nach Angaben der Verteidigung leidet der Mann an mehreren dauerhaften Gendefekten, die zu schwerwiegenden körperlichen Erkrankungen geführt haben.Das Urteil soll voraussichtlich am 6. Januar gesprochen werden

Matthias Hasberg, DAPD / dapd
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