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Mutmaßlicher Helfer der Neonazi-Zelle NSU: Polizei nimmt früheren NPD-Funktionär fest

Im Fall der rechten Terrorgruppe NSU ist ein mutmaßlicher Helfer festgenommen worden. Dem Ex-NPD-Funktionär Ralf Wohlleben wird unter anderem Beihilfe zu sechs Morden vorgeworfen.

Spezialeinheiten der Polizei haben am Dienstag in Jena den langjährigen NPD-Funktionär Ralf Wohlleben als weiteren Beschuldigten bei den Ermittlungen gegen das Zwickauer Neonazi-Trio festgenommen. Er sei dringend verdächtig, die Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) unterstützt zu haben, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Dem Szene-Aktivisten Ralf Wohlleben wird Beihilfe zu sechs Morden und einem versuchten Mord vorgeworfen. Der 36 Jahre alte Deutsche soll seit 1995 in rechtsextremistischen Kreisen in Thüringen aktiv gewesen sein; seit den 90er Jahren soll er in engem Kontakt mit den drei NSU-Mitgliedern gestanden haben.

"Der Beschuldigte ist dringend verdächtig, der 'NSU' 2001 oder 2002 eine Schusswaffe nebst Munition verschafft zu haben", teilte die Bundesanwaltschaft mit. Diese Waffe habe er über einen Kurier übergeben, der sie dem Trio nach Zwickau brachte. "Dabei nahm der Beschuldigte billigend in Kauf, dass die Schusswaffe für rechtsextremistische Morde verwendet werden könnte". Außerdem soll er ihnen den Kontakt zum mutmaßlichen Helfer des Neonazi-Trios Holger G. vermittelt haben. Die Bundesanwaltschaft wirft W. weiter vor, seit den 1990er Jahren in enger Verbindung zur NSU gestanden und sie seit ihrer Flucht 1998 und in den folgenden Jahren finanziell aktiv unterstützt zu haben.

Wohlleben - ein führender NPD-Funktionär

Der 36-Jährige soll noch heute dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, hieß es. Er ist neben der Hauptverdächtigen Beate Zschäpe und dem mutmaßlichen Helfer Holger G. aus dem Raum Hannover und dem in Brandenburg gefassten André E. der vierte mutmaßliche Neonazi, der nach der Mordserie festgenommen wurde.

Wohlleben soll seit 1995 in rechtsextremistischen Kreisen in Thüringen aktiv gewesen sein. Dem Thüringer Verfassungsschutz ist Wohlleben seit langem bekannt. Den Verfassungsschützern zufolge trat er 1999, kurz nach dem Untertauchen des Neonazi-Trios, in die NPD ein. Mit Unterbrechungen war er von 1999 bis Mitte 2008 Vorstandsmitglied der NPD - von Juli 2006 bis Mai 2008 sogar stellvertretender Landesvorsitzender in Thüringen. Bis etwa Anfang 2010 leitete Wohlleben außerdem mit Unterbrechungen den Kreisverband in Jena. Wohllebens Aktivitäten seien Beleg gewesen "für die Vernetzung von NPD und Neonazi-Szene in Thüringen" heißt es in einem Verfassungsschutzbericht.

Dem NSU-Trio wird unter anderem der Mord an neun Migranten und einer Polizistin vorgeworfen. Zwei Beschuldigte waren Anfang des Monats ums Leben gekommen, eine mutmaßliche Komplizin und ein weiterer mutmaßlicher Gesinnungsgenosse sitzen in Untersuchungshaft.

seh/DPA/Reuters / DPA / Reuters