Mutmaßlicher NS-Verbrecher Demjanjuk kann der Prozess gemacht werden


Ärzte halten den 89-jährigen John Demjanjuk für verhandlungsfähig. Damit steht dem Mordprozess gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher nichts mehr im Wege. Die Staatsanwaltschaft München will noch in diesem Monat Anklage erheben.

Ärzte haben den 89-Jährigen mutmaßlichen NS-Verbrecher John Demjanjuk für verhandlungsfähig erklärt. "Mit der Erhebung der Anklage ist noch im Juli zu rechnen", teilte die Staatsanwaltschaft München am Freitag mit. Der Prozess wegen Beihilfe zum Mord an 29.000 Juden könnte dann im Herbst beginnen.

Demjanjuk war im Mai aus den USA abgeschoben worden, nachdem er unter Hinweis auf verschiedene Krankheiten durch alle Instanzen dagegen geklagt hatte. Laut Münchner Staatsanwaltschaft war er 1943 als Aufseher im Vernichtungslager Sobibor am Massenmord direkt beteiligt. Er selbst bestreitet das und sagte, er sei als Sowjetarmist nur in deutscher Kriegsgefangenschaft gewesen.

"Die Ärzte bejahen die Verhandlungsfähigkeit des Beschuldigten mit der Einschränkung, dass die Verhandlungsdauer pro Verhandlungstag zwei mal 90 Minuten nicht übersteigen sollte", erklärte Oberstaatsanwalt Manfred Nötzel. Demjanjuks Verteidiger Günther Maull sagte der Nachrichtenagentur AP, sein Mandant sei ständig in ärztlicher Betreuung. Er sei wacklig und sitze im Rollstuhl, könne aber ein paar Schritte gehen. Demjanjuk verstehe, was man ihm sage, aber manchmal höre er nicht zu und scheine vor sich hin zu träumen.

Zur Prüfung der Verhandlungsfähigkeit war Demjanjuk von einem Medizin-Professor und einer Psychiatrie-Professorin ausführlich untersucht worden. Seine Verteidiger hatten sich mit den beiden Sachverständigen einverstanden erklärt, so dass die Entscheidung praktisch nicht mehr anfechtbar ist.

Demjanjuk war 1952 in die USA ausgewandert und hatte wegen einer Verwechslung mit dem berüchtigten KZ-Schergen "Iwan der Schreckliche" von Treblikna in Israel bis 1993 sechs Jahre lang in der Todeszelle gesessen. In München drohen ihm bei einer Verurteilung wegen Beihilfe zum Massenmord bis zu 15 Jahre Gefängnis. Juristen erwarten, dass der Prozess vor dem Schwurgericht im September oder Oktober beginnen könnte.

Der Leiter des Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, Efraim Zuroff, zeigte sich sehr zufrieden, dass Demjanjuk nun in Deutschland zur Verantwortung gezogen werde. Es sei wichtig, dass der Mann, "der sich aktiv an der Endlösung beteiligt hat, endlich eine angemessene Strafe bekommt".

AP AP

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