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Mysteriöse Bluttat in Frankreich: Wer war der ermordete Familienvater?

Im Fokus der Ermittlungen zu den Morden in Ostfrankreich steht der Familienvater Saad al-Hilli. Wer war der Mann, der vor 50 Jahren im Irak geboren wurde und der als Teenager nach England kam?

Von Sophie Albers

Saad al-Hilli war ein "Familienmensch", ein "liebevoller Vater", ein "bedachter, präziser" Mann, "sehr westlich", der gern Rad fuhr, Badminton spielte und unter Bedauern seine Suzuki verkauft hat, weil er sie wegen seiner Töchter eh nicht mehr fuhr. Zwei Tage nach dem Vierfachmord in den französischen Alpen steht der Familienvater, der am Mittwochnachmittag am Steuer seines BMW mit zwei gezielten Kopfschüssen regelrecht hingerichtet wurde, im Zentrum der Ermittlungen. Derweil befragen vor allem die britischen Medien die Nachbarn der Familie, die im reichen Londoner Vorort Claygate ein Haus bewohnte. Nach deren Aussagen war al-Hilli beliebt. "Wenn ich ein Problem hatte, bin ich zu ihm gegangen", zitiert die "Daily Mail" einen Nachbarn namens George A., aber "er war definitiv nicht der Typ Spion", daran glaube er nicht.

In den britischen Medien hält sich dieses Gerücht hartnäckig, weil ein anderer Nachbar davon berichtet hatte, dass das Haus der Familie al-Hilli 2003, zu Beginn des letzten Irakkrieges, vom britischen Inlandsgeheimdienst überwacht worden sei. Das allerdings, so die Replik der französischen Zeitung "Le Point", sei eine automatische Prozedur gewesen: Die gesamte irakische Gemeinschaft in Großbritannien sei überprüft worden. Das sei üblich bei Konflikten.

Seit 2002 britischer Staatsbürger

Geboren wurde al-Hilli 1952 in Bagdad. Seinem Vater, Kadim al-Hilli, gehörte eine Fabrik, so die "Daily Mail". Da die Familie der muslimischen Konfession der Schiiten angehörte, die von dem zunehmend erstarkenden Saddam Hussein, einem Sunniten, brutal unterdrückt wurden, flohen die al-Hillis in den 1970er Jahren nach London. Sie lebten im Londoner Stadtteil Pimlico, wo Saad al-Hilli auch Abitur machte. Später wurde er Ingenieur. Seit rund 20 Jahren habe er in der Branche gearbeitet - zuletzt als Luftfahrtsingenieur für ein Unternehmen der Satelliten- und Raumfahrttechnologie. Zudem habe er 2001 eine Computer-Design-Firma gegründet. 2002 erwarb er die britische Staatsbürgerschaft.

Seine Frau, Iqbal, die ebenfalls durch zwei Kopfschüsse hingerichtet wurde, wie auch ihre Mutter, die neben ihr auf der Rückbank saß, ist in der irakischen Gemeinschaft in Schweden aufgewachsen. Sie war Zahnärztin und lernte al-Hilli vor rund zehn Jahren in Dubai kennen und lieben. Ein Jahr später wurde geheiratet und Iqbal al-Hilli zog zu ihrem Mann nach Claygate. Zainab, die siebenjährige Tochter, die den Überfall auf ihre Familie schwer verletzt überlebt hat, wurde 2005 geboren und besucht die Grundschule. Ihre kleinere Schwester Zeena, die versteckt unter dem Rock ihrer toten Mutter überlebte, folgte drei Jahre später.

Problem im Irak?

Die Familie habe es geliebt, mit dem Wohnwagen durch Europa zu reisen, haben Nachbarn der "Daily Mail" berichtet. Angeblich hatten sie in Südwestfrankreich auch ein Ferienhaus. Zu diesem Urlaub allerdings seien die al-Hillis überstürzt aufgebrochen, schreibt der "Independent". Al-Hilli habe von einem Problem gesprochen, wird ein Bekannter zitiert, der es aber nicht genauer benennen will. In anderen Berichten heißt es, al-Hilli habe versucht, Familienbesitz im Irak zuzrückzufordern und sich um die Sicherheit von Familienmitgliedern gesorgt, die weiterhin dort leben. Außerdem wird gerade der Bruder al-Hillis verhört, mit dem es einen Erbschaftsstreit gegeben haben soll.

Für den frühen Abend ist eine weitere Pressekonferenz angekündigt, in der neben dem aktuellen Ermittlungsstand vor allem die Autopsieergebnisse bekannt gegeben werden sollen.

mit Agenturen