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Mysteriöser Vierfachmord in Frankreich Motivsuche - Von Familienstreit bis Spionage


Während die Ermittler auf Hochtouren arbeiten, wird über das Motiv des vierfachen Mordes auf einem Waldparkplatz in Ostfrankreich spekuliert. Dabei sind der Fantasie offenbar keine Grenzen gesetzt.
Von Sophie Albers

Zwei Tage nach dem rätselhaften Verbrechen mit vier toten Erwachsenen und zwei überlebenden Kindern in den französischen Alpen ist das Ermittlungsverfahren eingeleitet, und die Experten machen "ihren Job", wie der Staatsanwalt sagt. Zwischen 60 und 100 Beamte arbeiten an der Aufklärung der "extrem rohen" Gewalttat, bei der am Mittwochnachmittag auf einem Waldparkplatz nahe Chevaline ein Mann und zwei Frauen in einem Auto durch offenbar gezielte Kopfschüsse getötet wurden, ein offensichtlich zufällig vorbeifahrender Fahrradfahrer erschossen und ein Mädchen außerhalb des Wagens angeschossen und zusammengeschlagen wurde. Dessen vierjährige Schwester überlebte unverletzt und versteckte sich rund acht Stunden lang unbeweglich unter dem Rock der toten Mutter im Auto.

Forensiker und Ballistiker erhoffen sich Aufklärung, ob aus einer einzigen Waffe geschossen wurde, es soll eine automatische Pistole gewesen sein, und suchen nach DNA-Spuren des oder der Täter. Am Freitagnachmittag soll das Ergebnis der Autopsie bekannt gegeben werden. Es sehe nach einer "Exekution" aus, heißt es aus Polizeikreisen, denn die tödlichen Schüsse seien innerhalb kuzer Zeit abgegeben worden. Am Freitag wurde ein Zeugenaufruf in der Region gestartet. Mehrere Zeugen haben bereits angegeben, dass ihnen ein weißer Geländewagen aufgefallen sei.

Obwohl die DNA-Analyse noch aussteht, wird die Identität der toten britischen Familie im Auto, die in der Region Urlaub gemacht haben soll, mit dem 50-jährigen Saad al-Hilli, dessen 47-jähriger Frau Iqbal und deren 77-jähriger Mutter angegeben. Die Vierjährige höre auf den Namen Zeena, ihre siebenjährige Schwester heiße Zainab. Letztere liegt mit einem gebrochenen Schädel im Krankenhaus von Grenoble und wurde heute erneut operiert. Es gehe ihr den Umständen entsprechen gut, so der Staatsanwalt. Sie werde vernommen, sobald ihr Zustand es erlaube. Beide Mädchen stehen unter Polizeischutz.

Erbstreit, Spionage, Autodiebstahl?

Derweil suchen die Medien ihrerseits nach Motiven für das Verbrechen. Es wird von einem angeblichen Streit zwischen dem ermordeten al-Hilli und dessen Bruder berichtet, es soll um eine Erbschaft gehen. Diese Information sei seriös, bestätigte der französische Staatsanwalt. Der Bruder werde verhört. Doch werde auch jede andere Spur "akribisch" verfolgt, denn man müsse sich fragen, ob eine Geldstreitigkeit zu einem Vielfachmord führe.

Ebenso heftig spekuliert wird über einen Auftragsmord, da der oder die Täter professionell vorgegangen seien. Das geht bis zu Mutmaßungen über Spionage, da das FBI al-Hilli seit gut 20 Jahren beobachtet haben soll. Andere sprechen davon, dass der gebürtige Iraker erst 2003, bei Ausbruch des Krieges gegen Saddam Hussein, unter Beobachtung stand.

Auch wird ein möglicher Zusammenhang mit sogenannten car-jackings (Autodiebstähle, während die Fahrer im Wagen sind) untersucht, bei denen etwa 80 Kilometer entfernt in der Nacht auf Mittwoch ebenfalls Touristen angegriffen wurden. Und natürlich ist auch schon das Wort Al Qaida gefallen.

Die britische Polizei arbeitet eng mit der französischen zusammen. So werden im Haus der Familie in Surrey DNA-Proben zum Abgleich genommen. Vor der Tür halten die Beamten die Journalisten auf Abstand, die in Scharen angereist sind.

mit Agenturen

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