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Nach Amoklauf: Verwirrung im Fall Tim K.

Neue Verwirrung um den Amokläufer von Winnenden: Drei Tage nach der Tat gibt es widersprüchliche Angaben über frühere psychotherapeutische Behandlungen des 17-Jährigen. Während die Eltern dies dementieren, äußern sich Polizei und Staatsanwaltschaft ganz anders.

Drei Tage nach der Tat gibt es widersprüchliche Angaben über frühere psychotherapeutische Behandlungen des 17-Jährigen. Ein Anwalt der Eltern sagte dem "Focus", Tim sei niemals in einer solchen Behandlung gewesen und deswegen auch in keiner Klinik behandelt worden. Polizei Waiblingen und Staatsanwaltschaft Stuttgart stellten dazu fest, "dass nach deren Ermittlungen der Tatverdächtige vom April 2008 bis September 2008 im Klinikum am Weissenhof in Weinsberg mehrmals vorstellig wurde". Bereits am Mittwoch hatte die Polizei erklärt, der 17-Jährige sei wegen Depressionen in psychiatrischer Behandlung gewesen, die er jedoch abgebrochen habe.

Das Klinikum am Weissenhof in Weinsberg in der Nähe von Heilbronn ist nach eigenen Angaben ein Krankenhaus mit sieben eigenständigen Kliniken, darunter einer für Kinder- und Jugend-Psychiatrie. Der Ärztliche Direktor des Klinikums, sagte dem SWR, Tim K. sei 2008 fünf Mal ambulant in der Klinik gewesen.

Der Amokläufer spielte nach einem "Spiegel"-Bericht noch am Abend vor der Tat ein Killerspiel am Computer. Eine Auswertung seines PCs habe ergeben, dass der 17-Jährige gegen 19.30 Uhr das Spiel "Far Cry 2" gestartet und den PC gegen 21.40 Uhr ausgeschaltet habe.

Im Internet habe sich der Jugendliche offenbar schon vor Monaten mit Massakern an Schulen auseinandergesetzt. Nach Erkenntnissen der Ermittler sei er unter mehreren Pseudonymen wie "JawsPredator1" im Internet aktiv gewesen und habe unter anderem bei der Plattform "MyVideo" ein entsprechendes Profil gehabt.

Die Polizei geht dem Hinweis auf das Pseudonym "JawsPredator1" nach, wie die Polizeisprecherin sagte. Näheres zu den Ermittlungen könne man noch nicht sagen. Aussagen seines Vaters bei der Polizei zufolge soll Tim ihn mindestens drei Mal zu Schießübungen im Schützenverein begleitet haben, zuletzt vor drei Wochen, berichtete der "Spiegel" weiter. Der Sohn habe darauf gedrungen, den Umgang mit den Waffen zu lernen. Die Übungen fanden dem Blatt zufolge mit der späteren Tatwaffe, einer Beretta, statt.

Die Großeltern des Amokläufers können sich die Tat ihres Enkels nicht erklären. Der 17-Jährige sei ein "ganz normaler, ruhiger Junge" gewesen, der gerne mit ihrer Katze geschmust habe und sich als großer Bruder gut um seine Schwester gekümmert habe, sagten sie der "Bild"-Zeitung.

Drei Tage nach dem Amoklauf an der Albertville-Realschule durften die Schüler am Samstag ihre Fahrräder und ihre persönlichen Sachen wie Schulranzen oder Jacken abholen, die sie wegen ihrer Flucht vor dem Amokläufer hatten zurücklassen müssen. Die Gegenstände waren in das benachbarte Gymnasium gebracht worden. Das eigentliche Realschul-Gebäude blieb weiter abgesperrt, auch der Unterricht beginnt erst in einer Woche wieder, wie die Stadt Winnenden mitteilte.

Am Montag können sich die Schüler allerdings in anderen Gebäuden möglichst wieder in ihren Klassenverbänden zusammenfinden. Die Stadt will kommende Woche entscheiden, was mit dem Schulgebäude geschehen soll. Auch am Samstag kamen Jugendliche zum Teil mit ihren Eltern an den Tatort und zündeten Kerzen an. Mehrere Notfallseelsorger des Roten Kreuzes standen dort für den Fall bereit, dass jemand unmittelbar Hilfe brauchen sollte. Insgesamt waren über das Wochenende rund 50 Schulpsychologen auch aus anderen Bundesländern in Winnenden im Einsatz.

Den Tod des Mädchens mitangesehen

In Winnenden wurde unterdessen das erste Opfer des Amoklaufs zu Grabe getragen. Viele hundert Menschen gaben der Zehntklässlerin das letzte Geleit. "Wir können die Tat nicht begreifen, die ihr den Tod brachte", sagte der Priester in der katholischen Trauerfeier. Unter den Trauergästen waren auch zahlreiche Mitschüler der Klasse 10d, die den Amoklauf und den Tod des Mädchens mitangesehen hatten. "Ihr seid jung und dürft weiterleben. Ich wünsche Euch, dass irgendwann die Freude in Euer Leben zurückkehrt", sagte der Geistliche.

Der 17-Jährige hatte am Mittwochmorgen an seiner früheren Schule, der Albertville-Realschule in Winnenden, und auf der Flucht nach Wendlingen 15 Menschen und sich selbst erschossen. Psychologen berichteten in Winnenden, die meisten Schüler und Lehrer hätten ihren ersten Schock überwunden. Nun gelte es, vorsichtig damit zu beginnen, die traumatischen Erlebnisse aufzuarbeiten, sagte der Leiter des Kriseninterventionsteams, Dieter Glatzer. Das Krisenteam der etwa 100 Schulpsychologen soll um weitere 27 aus anderen Bundesländern aufgestockt werden.

AP/DPA / AP / DPA
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