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Nach BGH-Niederlage: "Focus"-Chefredakteur Markwort will nicht aufgeben

Nach seinem verlorenen Rechtsstreit gegen die "Saarbrücker Zeitung" wegen des Abdrucks eines Interviews mit Roger Willemsen erwägt "Focus"-Chefredakteur Helmut Markwort den Gang vor das Bundesverfassungsgericht.

Nach seinem verlorenen Rechtsstreit gegen die "Saarbrücker Zeitung" wegen des Abdrucks eines Interviews mit Roger Willemsen erwägt "Focus"-Chefredakteur Helmut Markwort den Gang vor das Bundesverfassungsgericht. "Es wird nach Eingang der schriftlichen Urteilsbegründung sehr sorgfältig zu prüfen sein, ob Grundrechte verletzt wurden und der Fall deshalb dem Verfassungsgericht vorzulegen ist", hieß es in einer Mitteilung Markworts vom Mittwoch.

Willemsen hatte in einem Interview der "Saarbrücker Zeitung" behauptet, ein im "Focus" erschienenes Interview sei bereits zuvor veröffentlicht worden. "Das Focus-Interview, das Markwort mit Ernst Jünger geführt haben will, war schon zwei Jahre zuvor in der 'Bunten' erschienen", sagte Willemsen wörtlich. "Heute wird offen gelogen", hatte er kritisiert.

"Focus" wies dies erneut zurück: Beide Behauptungen - Markwort habe ein Interview mit Jünger geführt, und dieses Interview sei zwei Jahre zuvor in der "Bunten" erschienen - träfen nicht zu. Dennoch hatte der Bundesgerichtshof (BGH) die Unterlassungsklage Markworts in letzter Instanz abgewiesen. Die Äußerung Willemsens sei eine Meinungsäußerung mit einem wahren Tatsachenkern, hieß es in der Begründung der Richter.

Markwort zeigte sich enttäuscht von der BGH-Entscheidung und erklärte, Willemsens Aussagen seien nicht zutreffend. Es sei "ein Urteil von grundsätzlicher Bedeutung, wenn nun die Publikation unwahrer oder rufschädigender Behauptungen dann nicht mehr unter die Haftung der Presse fällt, wenn sie mit einer Meinungsäußerung verbunden wird", erklärte Markwort.

Die Richter hatten erklärt, die Meinungsäußerung von Willemsen richte sich nicht gegen Markwort persönlich, sondern gegen die Berichterstattung im "Focus", für das Markwort verantwortlich sei.

Zwar werde der Chefredakteur in seinem Persönlichkeitsrecht tangiert, weil er das Interview jedenfalls nicht persönlich geführt habe. Es überwiege aber das von Willemsen verfolgte Interesse der Öffentlichkeit an der Seriosität der Medienarbeit, erklärte der BGH. Der Persönlichkeitsschutz Markworts müsse deshalb hinter dem Recht auf Meinungs- und Pressefreiheit zurücktreten.

AP / AP