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Nach dem Urteil im Kachelmann-Prozess: Staatsanwaltschaft geht in Revision

Dass die Staatsanwaltschaft den Freispruch für Jörg Kachelmann nicht unwidersprochen hinnehmen würde, war absehbar. Nun hat sie Revision gegen das Urteil eingelegt. Der TV-Moderator führt derweil seinen "Rachefeldzug" gegen die Medien fort.

Kurz vor Ende der Einspruchsfrist am Dienstag um Mitternacht hat die Mannheimer Staatsanwaltschaft Revision gegen den Freispruch von Jörg Kachelmann eingelegt. Das teilte die Behörde mit. Bereits am vergangenen Freitag war durchgesickert, dass die Behörde Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen wolle.

Kachelmann war wenige Tage zuvor vom Landgericht Mannheim aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. Die Anklage hatte ihm vorgeworfen, seine ehemalige Freundin vergewaltigt zu haben, was der 52-Jährige aber stets bestritten hat. Die Anklage, die von der Schuld Kachelmanns überzeugt war, hatte in dem Prozess vier Jahre und drei Monate Haft gefordert.

Einen Monat Zeit, die Revision zu begründen

Die Staatsanwaltschaft kann die schriftliche Urteilsbegründung des Gerichts nur dann prüfen, wenn sie Rechtsmittel gegen das Urteil einlegt. Den selben Anspruch haben auch Verteidigung sowie die Nebenklage. Das Urteil wird der Anklagebehörde nun formal zugestellt, sie einen Monat Zeit, die Revision zu begründen. Über den Berufungs- oder Revisionsantrag entscheidet dann der Bundesgerichtshof.

Angesichts des enormen öffentlichen Interesses an dem Prozess und der äußerst umstrittenen Berichterstattung darüber, sieht Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) das Prinzip der Unschuldsvermutung in Gefahr. In Deutschland gelte der Grundsatz, dass jemand als unschuldig gelte, bis ein Gericht ihm das Gegenteil beweise, sagte Leutheusser-Schnarrenberger der "Welt am Sonntag". Dies aber werde immer weniger beachtet. "Ob bei Kachelmann oder der Vorführung von Ex-Postchef Zumwinkel bei seiner Festnahme: Der Ruf einer Person wird allein durch einen Verdacht ruiniert. Da müssen wir umsteuern", sagte Leutheusser.

"Nicht jede Bloßstellung dient der Wahrheitsfindung"

Die Unschuldsvermutung lasse sich nicht per Gesetz garantieren, sagte die Ministerin weiter. "Es geht nur über die Selbstkontrolle der Medien." Sie wolle allerdings keine Prozesse hinter verschlossenen Türen, fügte Leutheusser hinzu. "Aber wir sollten darüber nachdenken, wie wir die Privatsphäre wirksamer schützen können. Nicht jede Bloßstellung dient der Wahrheitsfindung."

Jörg Kachelmann setzt derweil seinen "Rachfeldzug" gegeb Pressevertreter fort, die dem Wettermann während der 44 Verhandlungstage nicht wohlgesonnen waren. Schon seit einigen Tagen lästert Kachelmann per Twitter über die Verlage und deren Vertreter, Die "Bild"-Zeitung etwa bezeichnet er als "Größt anzunehmende Zeitung". Die "Super Illu" als "eines der traurigen Gewächse aus den Elendsvierteln des deutschen Journalismus von Hubert Burda". Den Grund dafür nannte Kachelmanns Anwalt: Die Zeitschrift würde Stimmung gegen seinen Mandanten machen. Die neueste Aktion des TV-Moderators: Er fotografierte ein TV-Kamerateam, das ihm unter einer Brücke auflauerte, veröffentlichte die Fotos und kommentierte sie mit den Worten: "… ekelerregende Paparazzi von Huberts, Liz' oder Friedes Gnaden bei versuchter Persönlichkeitsrechtsverletzung". Die Akte Kachelmann, soviel ist sicher, ist noch lange nicht geschlossen.

nik/DPA / DPA