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Nach Kindstötungen: Mutter begeht Selbstmordversuch

Die Mutter, die Weihnachten mutmaßlich ihre beiden kleinen Jungen getötet hat, hat in der Haft versucht, sich das Leben zu nehmen. Unterdessen verdichten sich laut Oberstaatsanwaltschaft die Hinweise auf die Motive für ihre Tat.

Zwei Tage, nachdem sie ihre beiden Söhne umgebracht hat, wollte sich eine psychisch kranke 37- Jährige aus Beratzhausen in der Regensburger Justizvollzugsanstalt selbst töten. Die Aufseher konnten allerdings noch rechtzeitig eingreifen. Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft hatte die Frau seit längerer Zeit psychische Probleme, sie litt offenbar an Depressionen. Da die Krankheit allerdings nicht so schwerwiegend erschien, wurde die Frau von einem Facharzt nur ambulant mit Psychopharmaka-Tabletten behandelt.

Allerdings wurde die Mutter von der Angst verfolgt, bald in eine Nervenklinik eingewiesen zu werden und so ihre Kinder zu verlieren. Bei der Kriminalpolizei sagte sie aus, dass es für die Buben nicht gut gewesen wäre, wenn sie mit dem 45 Jahre alten Vater und den ebenfalls in dem Einfamilienhaus wohnenden Schwiegereltern allein hätten bleiben müssen. Zudem habe die Frau Angst gehabt, ihre Kinder hätten ihre Krankheit geerbt, sagte der Leitende Regensburger Oberstaatsanwalt Günther Ruckdäschel. "Sie meinte, ihren Kindern etwas Gutes zu tun und wollte ihnen das Schicksal ersparen."

Zweijähriger erwürgt, Dreijähriger erstickt

Die Mutter hatte am Dienstag, dem ersten Weihnachtsfeiertag, ihre Jungs im Badezimmer getötet. Den zweijährigen Sohn habe sie mit einem Schal erwürgt, den Dreijährigen mit einem Kissen erstickt, berichtete Regensburgs Kripochef Albert Stürzer. Danach habe sie sich mehrere Stunden lang ruhig auf ein Sofa in der Küche gesetzt.Wegen der Stille im Haus wollte die Großmutter schließlich im Dachgeschoss nach dem Rechten sehen und fand die zwei Leichen. Der Vater der Kleinkinder war zum Zeitpunkt des Verbrechens an seiner Arbeitsstelle in Neumarkt und wurde auf dem Rückweg wegen seiner auffälligen Fahrweise von einer Polizeistreife gestoppt. "Er hatte von seinem Vater den Anruf erhalten, dass beide Kinder tot sind", erklärte Stürzer. In Panik hatte der Mann im Verkehr gedrängelt und war so den Beamten aufgefallen.

Innerhalb der Familie soll es häufiger Probleme gegeben haben. Der Ehemann berichtete den Ermittlern, dass seine Frau manchmal launisch gewesen sei und grundlos Streit begonnen habe. Die Frau wiederum sagte aus, sie sei von ihrem Partner und den Schwiegereltern zu wenig beachtet worden. Trotz der psychiatrischen Behandlung soll niemand aus der Familie und dem Bekanntenkreis etwas von den Überlegungen der Frau mitbekommen haben.

"Ganz normale bürgerliche Familie"

Dabei hatte die 37-Jährige schon seit Wochen geplant, sich und ihre beiden Kinder zu töten. So habe sie überlegt, ihre Buben ins Auto zu setzen und auf der Autobahn als Geisterfahrerin einen schweren Unfall zu verursachen, sagte sie bei den Vernehmungen aus. Dies habe sie dann aber verworfen. Die Familie lebte in dem 5700 Einwohner großen Beratzhausen wie in einer Idylle. Sie bewohnten in einem Neubaugebiet der Oberpfälzer Gemeinde ein Haus in Randlange, in unmittelbarer Nähe zu Wiesen und einer Obstplantage. Den Behörden war die Familie noch nie aufgefallen. "Es handelt sich um eine ganz normale bürgerliche Familie", sagte der Oberstaatsanwalt.

Nach dem Suizidversuch sollte noch am Donnerstag entschieden werden, ob die Frau in ein Fachkrankenhaus verlegt wird. Sie hatte sich in der Zelle mit ihrer Schlafanzughose erdrosseln wollen. Da die 37-Jährige aber in der Untersuchungshaft überwacht wurde, konnten die Justizbeamten sofort einschreiten.

Ob die Frau vermindert schuldfähig oder wegen ihrer Krankheit vielleicht sogar schuldunfähig ist, müssen nun Sachverständige klären. Von ihren Gutachten wird abhängen, ob die Frau zu einer Haftstrafe verurteilt werden kann oder zur Therapie in eine Klinik eingewiesen wird. Nach den bisherigen Ermittlungen deutet immer mehr darauf hin, dass die psychischen Probleme zu dem Verbrechen geführt haben. "Es verdichten sich die Hinweise, dass bei der Frau eine Denkstörung vorliegt", sagte Ruckdäschel.

Ulf Vogler/DPA / DPA