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Qandeel Baloch wurde erwürgt: Bruder für Ehrenmord an Pakistans Popsternchen verhaftet

Sie habe Schande über die Familie gebracht: Das Pakistanische Popsternchen Qandeel Baloch wurde erwürgt - weil sie Bilder von sich in Unterwäsche zeigte. Ihr Bruder soll die Tat gestanden haben.

Qandeel Baloch und ihr Bruder Wasim

Wasim, der Bruder von Qandeel Baloch (r.), wurde wegen des Mordes an seiner berühmten Schwester verhaftet

Nach dem Mord an Pakistans Popsternchen Qandeel Baloch ist ihr Bruder festgenommen worden. Das sagte ein Polizeibeamter der zentralpakistanischen Stadt Multan am Sonntag. Der Bruder habe gestanden, seine Schwester betäubt und dann erdrosselt zu haben. Laut Polizei sagte der Bruder, seine Schwester habe Schande über die Familie gebracht. Er sei wegen ihr verspottet worden.

Die junge Frau, die wegen ihrer provokanten Auftritte auch "Pakistans Kim Kardashian" genannt wurde, war am Samstag erwürgt in ihrem Elternhaus in Multan aufgefunden worden. Baloch war anlässlich der Feierlichkeiten zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan von der Metropole Karachi nach Muzzafarabad, das bei Multan gelegene Dorf ihrer Eltern in der Provinz Punjab, gereist. Am Freitagabend informierte die Familie der Mittzwanzigerin die Polizei über die Tat. Der Bruder wurde laut Polizei in der Nacht zu Sonntag festgenommen.

Baloch (Mitte 20), die sich selbst Sängerin, Schauspielerin und Model nannte, hatte ihr Leben freizügig vermarktet. Einige ihrer Videos wurden millionenfach angeschaut. Sie zeigte sich unter anderem im Schwimmbad oder im Fitnessstudio. Nach westlichen Standards waren es zurückhaltende Bilder, aber im muslimisch-konservativen Pakistan polarisierten sie.

Wegen "ehrlosen Benehmens" kritisiert

Balochs Missachtung gesellschaftlicher Normen war für viele junge Frauen auch eine Inspiration. In den sozialen Medien protestierten am Wochenende viele und schrieben unter anderem, Baloch sei gestorben, weil Pakistan Frauen hasse, die sich nicht anpassten.

Im Juni hatte Qandeel Baloch zuletzt empört, als sie Selfies von sich und einem religiösen Führer, Mufti Qavi, zeigte und sagte, gemeinsam hätten sie während des Fastenmonats Ramadan geraucht und getrunken.
Ihre Familie, aber auch konservative Pakistaner, hatten ihr gedroht und ein Ende des "ehrlosen Benehmens" gefordert. Berichten zufolge fühlte sich Baloch zuletzt nicht mehr sicher in Pakistan und plante, nach den Ramadan-Feierlichkeiten auszuwandern. Sie sagte örtlichen Medien, dass sie Todesdrohungen erhalten habe und die Behörden ihre Bitte um Schutzmaßnahmen abgelehnt hätten.

Ein Polizist sagte der Nachrichtenagentur AFP am Samstag in Muzzafarabad, Balochs Eltern seien "arme Leute", und sie habe ihre Miete bezahlt. Ihr Bruder habe eine Zeitlang einen Laden für Mobiltelefone betrieben, sei jetzt aber erwerbslos und ohne Einkommen. Der Vater Azeem Ahmad sagte: "Meine Tochter ist unschuldig, wir sind unschuldig. Wir wollen Gerechtigkeit. Warum ist meine Tochter getötet worden?" In einer Anzeige bei der Polizei beschuldigte Ahmad seinen Sohn, Baloch ermordet zu haben.

Ehrenmorde bleiben oft ungestraft

In Pakistan wurden 2015 mehr als 1000 Frauen und Mädchen für angeblich ehrenrühriges Benehmen getötet - also Verhalten, das vermeintlich nicht zu den gesellschaftlichen Konventionen passt. Die Zahlen steigen. 2013 wurden 869 solcher Morde registriert, 2010 waren es 791. Viele weitere Morde kommen aber nie ans Licht. 

Außerdem bleiben viele ungeahndet. Das zuständige pakistanische Gesetz enthält eine Klausel, die es dem Vormund des Opfers erlaubt, dem Täter zu verzeihen. Weil solche Morde zumeist innerhalb der Familie passieren, wird den Tätern häufig vergeben - und sie werden dann nicht bestraft.

Im Februar hatte die pakistanische Filmemacherin Sharmeen Obaid Chinoy für die Kurz-Dokumentation "A Girl in the River: The Price of Forgiveness" einen Oscar gewonnen. In dem Werk erzählt sie von einer Frau in Pakistan, die zu Tode verurteilt wird, als sie sich verliebt. Der Film hatte landesweit eine Debatte ausgelöst. Die Regierung versprach daraufhin, das Gesetz zu ändern. Bisher ist das nicht passiert. 

vim / DPA / AFP