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Gesichtshälfte zerstört: Säure-Opfer verklagt Täter auf Schmerzensgeld - "250.000 Euro angemessen"

Eine 29-Jährige verklagt ihren Ex-Freund auf Schmerzensgeld. Er hatte sie vor zwei Jahren mit Säure übergossen und schwer verletzt. Der Täter verbüßt bereits eine Haftstrafe, der Schmerzensgeld-Prozess soll auch symbolische Wirkung haben.

Vanessa Münstermann

Die 29-jährige Vanessa Münstermann vor dem Landgericht. Nach eigenen Angaben sind die öffentlichen Auftritte für sie auch Therapie

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Die Qualen, die Vanessa Münstermann im Februar 2016 durchlebt haben muss, sind unvorstelllbar. Ihr Ex-Freund verübte damals auf offener Straße einen Säureangriff auf sie. Dabei wurde die Gesichtshälfte der heute 29-Jährigen zerstört, sie verlor ein Auge und ein Ohr. Vanessa Münstermann hat noch viele Operationen vor sich, wird für immer entstellt bleiben.  250.000 Euro verlangt die Hannoveranerin nun als Schmerzensgeld nach der Säure-Attacke ihres Ex-Freundes. Zum Auftakt des Zivilverfahrens am örtlichen Landgericht sagte Richterin Stefanie Piellusch, der eingeklagte Betrag sei für deutsche Verhältnisse hoch, aber es sei "eine extreme Tat mit extremen Folgen" gewesen. Die Kammer würde eine Summe auch in dieser Größenordnung für erforderlich halten.

Opfer lehnte "Schweigegeld" ab

Vanessa Münstermann 2015

Das Handy-Foto aus dem September 2015 zeigt Vanessa Münstermann vor der Attacke

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Der Anwalt des Täters, Max Marc Malpricht, lehnte die Klage ab. Sein Mandant habe auch kein Geld, eine solche Summe zu zahlen, sagte er. Der heute 34-Jährige wurde im August 2016 zu einer zwölfjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Er blieb ebenso wie das Opfer Vanessa Münstermann der Verhandlung fern. Malpricht machte keine Angaben dazu, ob sein Mandant die Tat bereue. Der Täter hatte Münstermann noch aus der Haft heraus beleidigende Briefe geschrieben. Erst als die junge Frau und ihr Anwalt Andreas Hüttl darüber die Justizvollzugsanstalt informierten, hörten die Belästigungen auf.

Die Zivilkammer will am 2. Oktober ihr Urteil verkünden. Sollte Vanessa Münstermann dann eine hohe Summe zugesprochen werden, kann sie 30 Jahre lang versuchen, über einen Gerichtsvollzieher zumindest an einen Teil des Geldes zu kommen. 

Allerdings hat der Inhaftierte weder eine Schul- noch eine Berufsausbildung. Die Eltern unterstützen ihn nicht mehr und wollen ihn dem Anwalt zufolge komplett enterben. Das Ehepaar hatte dem Opfer schon wenige Monate nach der Tat 50.000 Euro zukommen lassen. Weitere 100.000 Euro stellten sie in Aussicht - allerdings nur unter der Bedingung, dass Vanessa nicht mehr öffentlich über den Täter spricht. "So ein Schweigegeld kann ich nicht akzeptieren", sagte Münstermann. Die öffentlichen Auftritte seien für sie auch Therapie.

Dass das Leben auch nach einem schweren Schicksalsschlag noch Schönes bereithalten kam, spürte Vanessa Münstermann vor ein paar Monaten: Im Mai dieses Jahres ist sie Mutter einer Tochter geworden. 

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rös / dpa
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