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Nach vereiteltem Anschlag Rätselraten um die Hintergründe der Bonner Bombe


Wer steckt hinter der Bombe vom Bonner Hauptbahnhof? Die Polizei fahndet nach einem zweiten Verdächtigen. Die Hintergründe bleiben mysteriös. Das BKA mahnt zu Ruhe und Aufmerksamkeit.

Nach dem Fund eines Sprengsatzes am Bonner Hauptbahnhof warnt das Bundeskriminalamt vor voreiligen Schlüssen. BKA-Präsident Jörg Ziercke sagte in der ZDF-Sendung Aktenzeichen "XY... ungelöst", man stehe erst am Anfang der Ermittlungen. Die Kölner Polizei ermittle mit großem Nachdruck. Er habe volles Vertrauen in die Beamten. Spekulationen seien verfrüht. "Auch die allgemeine Terrorgefahrensituation hat sich nicht verändert", sagte Ziercke am Mittwochabend. Er fügte hinzu: "Ruhe bewahren und Aufmerksamkeit ist angesagt."

Eine interne Analyse des Bundesinnenministeriums geht hingegen vor einem besonderen Anschlagsrisiko für Weihnachtsmärkte aus. Das berichtet die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf eine "Gefährdungseinschätzung" des Ministeriums zum "Anschlagsrisiko während der Weihnachtszeit". Dabei spiele auch eine Rolle, dass der Weihnachtszeit "innerhalb der westlichen Staatengemeinschaft ein hoher Symbolwert beigemessen wird".

Allerdings werden Weihnachtsmärkte wegen hoher Besucherzahlen und freiem Zugang alljährlich zu den so genannten weichen, schwer zu schützenden Zielen gezählt. Deswegen könnten Islamisten "Weihnachtsmärkte als geeignete Ziele" ansehen, um "ein größtmögliches Maß an Personenschäden zu erreichen". Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, wandte sich gleichwohl gegen Panikmache. Die Polizei werde "alles dafür tun, dass die Märkte sicher sind", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Polizei geht von einem versuchten Anschlag aus

Der in Bonn entdeckte Sprengsatz war nach Einschätzung der Ermittler hochgefährlich. Die Polizei weitete die Fahndung auf einen zweiten Tatverdächtigen aus. Die Bundesanwaltschaft zog die Ermittlungen bisher noch nicht an sich. Sie sieht noch keine ausreichenden Anhaltspunkte für einen terroristischen Hintergrund. In der Sporttasche befand sich ein mit Ammoniumnitrat gefülltes Metallrohr, um das vier Butangaskartuschen gebunden waren. Ob die Bombe tatsächlich funktionsfähig gewesen sei, wurde noch nicht bekannt. Es sei eine Zündvorrichtung mit einem batteriebetriebenen Wecker gefunden worden, aber kein Zünder.

Laut Einsatzleiter Norbert Wagner hätten die Materialien eine Explosion mit beachtlicher Sprengkraft und großer Splitterwirkung entfachen können. Er bestätigte, dass die Polizei von einem versuchten Anschlag ausgeht. Die Ermittler suchen neben einem dunkelhäutigen Mann nun auch einen hellhäutigen. Dieser ist auf Videoaufnahmen aus einer McDonald's-Filiale an Gleis 1 mit einer dunkelblauen Tasche zu sehen und gilt als Tatverdächtiger.

Der Dunkelhäutige soll nach Zeugenaussagen eine Tasche wie diejenige, in der später der Sprengsatz gefunden wurde, zwei wartenden Jugendlichen auf dem Bahnsteig geradezu vor die Füße geschoben habe. Von dem Dunkelhäutigen gibt es ein Phantombild, allerdings existieren von der Szene am Bahnsteig keine Videoaufnahmen.

nw/DPA/AFP DPA

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