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Nach Vorwurf der versuchten Vergewaltigung: IWF-Boss Strauss-Kahn tritt zurück

Der Druck auf Dominique Strauss-Kahn war in den letzten Tagen gewachsen. Jetzt hat der IWF-Chef die Konsequenzen aus den Vorwürfen der versuchten Vergewaltigung gezogen und seinen Rücktritt erklärt.

IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn ist mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurückgetreten. Das teilte der Internationale Währungsfonds am Donnerstag mit. Bis ein neuer Direktor ernannt sei, werde John Lipsky die Geschäfte des Fonds führen.

In seinem vom IWF im Internet veröfffentlichten Rücktrittsbrief wehrt sich Strauss-Kahn gegen die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen: Er sei "unendlich traurig, dass er sich heute gezwugen fühle", seinen Rücktritt zu erklären, heißt es in dem Schreiben. "Ich denke in diesem Moment zuerst an meine Frau, die ich mehr als alles andere liebe, an meine Kinder, meine Familie, meine Freunde. ... Ich weise mit größtmöglicher Entschiedenheit alle gegen mich erhobenen Vorwürfe zurück."

Weiter schreibt der Franzose: "Ich möchte diese Institution schützen, der ich mit Ehre und Hingabe gedient habe, und vor allem - vor allem - möchte ich all meine Kraft, all meine Zeit und alle meine Energie darauf verwenden, meine Unschuld zu beweisen."

Washington hatte Druck gemacht

Offenbar sah sich Strauss-Kahn zum Rücktritt gezwungen, nachdem die USA als wichtigstes IWF-Geberland offen eine Übergangsregelung an der Spitze der mächtigen Finanzorganisation gefordert hatten. Strauss-Kahn sei "offensichtlich nicht in der Lage" den Währungsfonds zu lenken, hatte US-Finanzminister Timothy Geithner gesagt.

Der IWF ist in der weltweiten Finanzkrise zu einem der wichtigsten Krisenhelfer aufgestiegen. Gerade in der Bewältigung der Euro-Schuldenkrise spielt der Währungsfonds eine wichtige Rolle. Zusammen mit den Europäern schnürte der IWF Milliarden-Rettungspakete für die Schuldensünder Griechenland, Irland und Portugal.

Anwälte machen neues Angebot

Strauss-Kahn sitzt seit Samstag in New York in Untersuchungshaft. Er soll versucht haben, ein 32 Jahre altes Zimmermädchen zu vergewaltigen. Seine Anwälte wollen im Laufe des Tages erneut versuchen, ihn per Kaution aus der Haft zu bekommen. Bis zu einem Prozess müsste der 62-Jährige dann aber auf jeden Fall in New York bleiben.

"Wir haben Bedingungen zugesagt, die alle Bedenken zerstreuen können, dass Mr. Strauss-Kahn die Stadt verlässt", erklärten die Anwälte. "Und wir hoffen, ihn umgehend von Rikers Island zu holen."

Wie ein Sprecher des zuständigen Gerichts sagte, soll im Laufe des Tages über den neuen Antrag auf Haftentlassung verhandelt werden. Die Anhörung Strauss-Kahns könne voraussichtlich bereits am Vormittag stattfinden. Die genaue Zeit und der Ort der Verhandlung stünden aber noch nicht fest.

Video soll Zimmermädchen in Panik zeigen

Unterdessen berichten französische Zeitungen, dass ein Überwachungsvideo aufgetaucht sei. Es zeige zuerst das Zimmermädchen, dass offenbar in Panik aus dem Raum stürme. Wenig später verlasse auch Strauss-Kahn das Hotelzimmer, den Angaben zufolge "in Hast". Der 62-Jährige war wenig später aus der Ersten Klasse eines Air-France-Flugzeugs geholt worden, das nur Minuten später Richtung Europa abheben sollte.

mad/AFP/Reuters/DPA / DPA / Reuters