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Nazi-Aufmarsch blockiert: Gewalt und Chaos in Dresdens Straßen

Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche hat sich Dresden einem Marsch von Neonazis entgegengestellt und den Aufzug verhindert. Der friedliche Protest war jedoch von Gewalt überschattet. Die Rechtsextremen wichen nach Leipzig aus.

Mit stundenlangen Protesten und teilweise gewaltsamen Blockaden haben Tausende Menschen am Samstag in Dresden erneut einen genehmigten Aufmarsch von Rechtsextremen verhindert. Erledigt war das Thema damit am Nachmittag jedoch nicht. Die Neonazis gaben nicht klein bei, sondern verlegten ihren Aufzug nach Leipzig. Dort trafen am Abend rund 500 Rechtsextreme ein. "Sie dürfen die Stadt jedoch nicht betreten", sagte Carsten Veil von der Bundespolizei. Etwa 150 Gegner riefen bei Ankunft des Zuges "Nazis raus!" Die Polizei trennte die Lager. Zuvor hatten die Beamten bereits Sitzblockaden von Gegendemonstranten aufgelöst.

In Dresden hatten früher am Tag Gegendemonstranten - unter anderem des "Bündnis' Dresden nazifrei" - über Stunden hinweg die Gegend rund um den Hauptbahnhof blockiert und damit verhindert, dass zahlreiche Rechtsextreme zu ihren Treffpunkten gelangten. Nach Augenzeugenberichten gelangten immer mehr Menschen auf das abgeriegelte Areal. Die Beamten versuchten, das mit Schlagstöcken, Reizgas und Wasserwerfern zu verhindern. Zudem beendeten sie Ausschreitungen zwischen Anhängern des linken und rechten Lagers.

Pflastersteine flogen, Wasserwerfer im Einsatz

Zeitweise eskalierte die Lage. Polizisten rüsteten sich mit Schilden aus, Wasserwerfer wurden zum Einsatz vorbereitet. Es flogen Pflastersteine, Feuerwerkskörper und Flaschen. Mindestens ein Dutzend Autos wurde beschädigt, in einem Bürogebäude gingen Scheiben zu Bruch. Autonome stapelten Sperrmüll auf Fahrbahnen. Dresdens Polizeipräsident Bernd Merbitz berichtete von sechs brennenden Blockaden südlich des Hauptbahnhofs. Die Polizei sprach von "massiven Angriffen" Gewaltbereiter auf Einsatzkräfte.

Rund 600 Rechtsextreme seien an den Veranstaltungsorten angekommen, mehrere hundert weitere Anhänger des rechten Spektrums befänden sich noch auf dem Weg, hieß es zwischenzeitlich. Das wäre nur ein Bruchteil der von den Behörden zuvor erwarteten 4000 Neonazis. "Die Stimmung unter den Rechtsextremen ist extrem aggressiv und aufgeheizt, weil sie angesichts der Blockaden nicht marschieren können", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Frank Wend. Er sprach von einem "bürgerlichen Klientel", das die genehmigten drei Neonazi-Veranstaltungen blockierte.

Mahnwachen in den Kirchen

Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes beteiligten sich mehr als 21.000 Menschen an Mahnwachen und Protesten. Die Kirchen richteten Mahnwachen an insgesamt 54 Gotteshäusern ein. Sie plädierten gegen Fremdenhass, Krieg, Gewalt und Rassismus.

In Regie der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland waren bereits am vergangenen Sonntag knapp 1300 Neonazis am Rand des Dresdner Stadtzentrums marschiert. Etwa 17.000 Dresdner hatten aus Protest eine Menschenkette gebildet, etwa 3000 säumten Straßen in Sichtweite der Rechtsextremen. Deren Marschroute war von Tausenden Polizisten abgesichert worden.

dho/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters