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Neue Hurrikan-Prognose: "Sandy" trifft südlich von New York auf Land

Die Wetterforscher haben ihre Vorhersagen für den Monstersturm aktualisiert: Der Hurrikan soll die Küste 100 Kilometer südlich von New York erreichen. Er hat an Geschwindigkeit weiter zugelegt.

Die Meteorologen haben ihre Berechnungen für das Auftreffen des Hurrikans "Sandy" erneut aktualisiert: Das Auge des Sturm soll nach Einschätzung des Hurrikanzentrums in Florida im Laufe des Montagabends (Ortszeit) in New Jersey, rund 100 Kilometer südlich von New York, an Land treffen. Der Super-Sturm bewegt sich zwar mit nur 30 Stundenkilometern voran, die Winde in seinem Wirbel legten aber seit 2 Uhr nachts um 30 km/h auf inzwischen 150 Stundenkilometer Gewschwindigkeit zu.

Das Nationale Hurrikan Zentrum sagte ein lebensbedrohliches Anschwellen des Sturmes, Hurrikan-starke Böen an der Künste und heftige Schneefälle in den Appalachen voraus. Bei "Sandy" handele es sich um einen seltenen Super-Sturm, bei dem arktische Luftströme sich um den aus den Tropen kommenden Wirbelsturm wickeln würden. Die Folge können unter anderem sintflutartige Regenfälle mit bis zu 30 Zentimetern Niederschlag sein. In den Höhenzügen kann bis zu einem Meter Schnee fallen. Vom Auge des Sturms bis zu seinen letzten Ausläufern liegen mehr als 800 Kilometer - ein enormes Ausmaß, für das "Sandy" als historisch eingestuft wird.

50 Millionen Amerikaner betroffen

Bereits vor seinem Eintreffen an der dicht besiedelten US-Ostküste wirbelte der Hurrikan das Leben von Millionen Amerikanern durcheinander. Hunderttausende Anwohner brachten sich aus den küstennahen Regionen in Sicherheit, Tausende Geschäfte öffneten nicht. Busse und Bahnen blieben vielerorts seit Sonntagabend in den Depots, die Fernbahn Amtrak stellte küstennahe Verbindungen ein. Erstmals seit 27 Jahren blieb die New Yorker Börse am Montag wetterbedingt geschlossen.

Rund 50 Millionen Amerikanern drohen Stromausfälle und Überschwemmungen. Die Sturmschäden könnten sich nach Ansicht von Fachleuten auf mehr als drei Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) belaufen. Die auf Risikoabschätzung spezialisierte Firma Eqecat sprach sogar von versicherten Verlusten in Höhe von fünf bis zehn Milliarden Dollar.

Flüge gestrichen, "Bounty" in Seenot

Die Fluggesellschaften strichen knapp 9000 Flüge, auch zahlreiche Transatlantikverbindungen waren betroffen. Auf Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt am Main wurden bis zum Mittag zwölf Flüge in die USA gestrichen.

Vorboten von "Sandy" bekam der Dreimaster "HMS Bounty" zu spüren, der vor North Carolina in Seenot geriet. Alle Besatzungsmitglieder des Nachbaus des legendären Schiffs aus dem 18. Jahrhundert seien mit Überlebensanzügen und Rettungswesten in zwei Rettungsboote gestiegen, teilte die US-Küstenwache mit. Bei einer Rettungsaktion mit zwei Hubschraubern wurden zunächst 14 von ihnen gerettet, zwei weitere Besatzungsmitglieder wurden vermisst.

Wird "Sandy" die Wahl entscheiden?

Schon seit dem Wochenende hat sich die Bevölkerung mit Hamsterkäufen auf den Sturm vorbereitet, in vielen Gegenden wurden Wasser und Taschenlampen knapp. Neun US-Staaten erklärten den Notstand. "Dies ist ein ernster und großer Sturm", warnte Obama. Das Land müsse gewappnet sein. Über das Fernsehen versicherte er, die Regierung stehe bereit, um zu helfen. Welche Auswirkungen der Sturm auf die US-Wahl am 6. November haben wird, ließ sich noch nicht absehen. Wie Obama sagte auch sein Herausforderer Mitt Romney Wahlkampftermine ab.

Der Sturm und seine Auswirkungen könnten die Wahl entscheiden: Der Amtsvorgänger von Obama, George W. Bush, hatte schwere Einbußen in seinen Umfragewerten, als er sich - nach Ansicht seiner Kritiker - erst spät um das 2005 durch den Hurrikan "Katrina" überflutete New Orleans kümmerte.

Außerdem befürchtet man, dass "Sandy" zu weit verbreiteten Stromausfällen führen könnten, die bis zum Wahltag auch die Stimmabgabe beeinträchtigen könnten.

fw/Reuters/AFP/DPA / DPA / Reuters
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