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Neuer Ärger für BP Drängte Ölkonzern auf Freilassung des Lockerbie-Attentäters?


Die Katastrophe im Golf von Mexiko ist noch nicht ausgestanden, da wird BP erneut vor den US-Senat zitiert. Der Ölgigant soll auf die Freilassung des libyschen Lockerbie-Attentäters Einfluss genommen haben, um Bohrvorhaben vor der libyschen Küste nicht zu gefährden.

Dem britischen Ölkonzern BP steht in den USA weiterer politischer Ärger ins Haus. Am 29. Juli muss sich BP vor dem Ausschuss für Auswärtige Beziehungen im US-Senat Vorwürfen stellen, der Konzern habe auf die Freilassung des libyschen Lockerbie-Attentäters Abdel Basset al-Megrahi aus schottischer Haft Einfluss genommen. Der Vorsitzende des Ausschusses, John Kerry, erklärte am Donnerstag, Details, die in den letzten Tagen in der Presse zu lesen waren, hätten neue Bedenken aufgeworfen.

BP hatte zuvor eingeräumt, bei der britischen Regierung vorstellig geworden zu sein. Man sei besorgt gewesen, dass Verzögerungen bei der Freilassung Al-Megrahis ein Bohrvorhaben vor der libyschen Küste beeinträchtigen könnten. BP erklärte jedoch, in der Sache selbst nicht Einfluss genommen zu haben. Der an Krebs erkrankte Al-Megrahis war im August 2009 aus humanitären Gründen begnadigt worden. Zu dem Zeitpunkt wurde ihm eine verbleibende Lebenserwartung von drei Monaten bescheinigt.

Der ihn damals untersuchende Mediziner Karol Sikora hat seine Prognose als "beschämend" bezeichnet. Zur "Sunday Times" sagte er: "Obwohl es sehr ungewöhnlich wäre, gab es immer die Chance, dass er noch zehn oder 20 weitere Jahre leben könnte." Er sei nicht unter Druck gesetzt worden, man habe ihm jedoch deutlich gemacht, dass es die Entlassungschancen erhöhen würde. Andere Experten, die von einer Lebensdauer von 19 Monaten ausgingen, seien nicht berücksichtigt worden.

Die USA hatten 2009 verärgert auf die Haftentlassung Al-Megrahis reagiert. Er war wegen des Bombenanschlags im Jahr 1988 auf ein PanAm-Flugzeug verurteilt worden. Bei der Explosion über der schottischen Ortschaft Lockerbie wurden 207 Menschen getötet.

Reuters Reuters

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