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Neuer Leihmutter-Skandal in Australien Ehepaar lehnt Baby wegen "falschen" Geschlechts ab


Eine indische Leihmutter bringt für ein Paar aus Australien gesunde Zwillinge zu Welt. Eins der Kinder nehmen die Eltern mit, doch das Geschlecht des zweiten Babys passt ihnen nicht.

Der Fall von Baby Gammy hatte im vergangenen Sommer weltweit Aufsehen erregt. Nun empört ein neuer Leihmutter-Skandal Australien. Weil eines ihrer Wunschbabys das "falsche" Geschlecht hatte, hat ein australisches Paar eine Leihmutter aus Indien mit dem Kind sitzen lassen. Das berichtet der TV-Sender ABC.

"Ich weiß nicht, ob es ein Mädchen oder ein Junge war, aber die Eltern hatten schon ein Kind des einen Geschlechts und wollten das andere nicht", berichtet die oberste Richterin des australischen Familiengerichtes, Diana Bryant, dem australischen Fernsehen. Bereits zwei Jahre liegt der Fall zurück und war den australischen Behörden von Anfang an bekannt. Denn die Eltern beantragten beim australischen Konsulat in Neu-Delhi nur für ein Kind ein Visum.

Die Mitarbeiterinnen des Konsulats hätten Bryant über den Fall unterrichtet: "Die Frauen waren erschüttert. Sie haben alles getan, was sie konnten, um die Eltern umzustimmen." Doch als sie versucht hätten, den Vorgang hinauszuzögern, mischte sich laut ABC ein ranghoher australische Politiker ein und bedrängte die Konsulatmitarbeiterinnen, das Visum auszustellen, sodass ihnen keine andere Wahl geblieben sei.

Kinder als Ware

Was aus dem zurückgelassenen Kind geworden ist, bleibt ungewiss. Laut den Konsulatmitarbeiterinnen habe ein Bekannter der Familie das Baby abgeholt. "Aber sie äußerten mir gegenüber den Verdacht, dass Geld im Spiel gewesen ist", so Bryant. "Falls das der Wahrheit entspricht und das zurückgelassene Kind für Geld von einer anderen Familie angenommen wurde, handelt es sich um Menschenhandel und ist eine Straftat."

"Leihmutterschaft bleibt sehr fraglich, besonders wenn man bedenkt, dass Eltern das Geschlecht des Kindes auswählen können. So machen wir aus Kindern eine Ware", sagt Bryant. Bob Carr, der zwischen 2012 und 2013 Außenminister war, will von dem Fall nichts gewusst haben. Auch andere australische Politiker weisen ABC zufolge jede Mitwisserschaft zurück. Nun wird sich das Familiengericht mit dem Fall beschäftigen.

Ellen Ivits

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