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Neuer Mordprozess: Knox erwägt Rückkehr nach Italien

Amanda Knox spricht: Im TV-Sender ABC äußert sich der "Engel mit den Eisaugen" über ihr Leben als "Mörderin". Außerdem denke sie darüber nach, zum neuen Prozess in Italien persönlich zu erscheinen.

Sie kam als Studentin nach Italien und verließ das Land als Teufel. So zumindest wurde sie von der Öffentlichkeit wahrgenommen. "Ich galt als die Mörderin - ganz gleich, ob ich es wirklich war oder nicht. Ich musste erst einmal damit klar kommen, dass das jetzt mein Leben ist", sagt Amanda Knox nun dem US-Sender ABC - sechs Jahre nach ihrer lebenslangen Verurteilung, zwei Jahre nach ihrem Freispruch und wenige Monate, bevor der Fall vor Gericht wieder aufgenommen wird.

Am Dienstag ist ihr Buch "Zeit, gehört zu werden" erschienen. Ihre Anwälte und die Verlage haben die jetzt 25-Jährige auf Promotiontour geschickt. Den Zuschlag für die ersten beiden großen Interviews bekam außer der TV-Station auch die Zeitung "USA Today" sowie das Magazin "People", das bereits vor Kurzem Auszüge aus dem Gespräch veröffentlicht hatte. Ihre Worte bei ABC klingen dannach, als sehe sich der "Engel mit den Eisaugen" als bemitleidenswertes Opfer, das sich mit aller Macht ins Leben zurückkämpfen will und muss. "Was mir passiert ist, war surreal, aber es hätte jedem passieren können", sagte sie und versucht dabei, ihre Tränen zu unterdrücken. Ihr größter Wunsch sei es, wieder als Person wahrgenommen zu werden.

Wer meuchelte Meredith Kercher?

Auch dabei soll ihr Buch helfen, ein Werk, für das Knox knapp vier Millionen Dollar erhalten haben soll. Die Studentin beschreibt darin ihre Sicht des Mords an der Britin Meredith Kercher. In erster Instanz war sie verurteilt worden, ihre Mitbewohnerin in Perugia, in der Nacht zum 2. November 2007 gemeuchelt zu haben. Die Engländerin war halbnackt und mit durchschnittener Kehle in ihrem Zimmer gefunden worden. Vor ihrem Tod wurde sie vergewaltigt. Der Staatsanwalt beschuldigte sie "satanischer Riten" und "dämonischer Motive", was zu einer Verurteilung zu 26 Jahren Haft führte. Knox damaliger Freund Raffaele Sollecito wurde zu 25 Jahren verurteilt.

Vier Jahre haben die beiden abgesessen, bevor sie 2011 im Berufungsverfahren freigesprochen wurden. Doch die Staatsanwaltschaft legte ihrerseits Berufung ein, der das Kassationsgericht in Rom Ende März dieses Jahres stattgab. Der Prozess wird nun vor einem Gericht in Florenz neu aufgerollt. "Ich glaube, es ist eine Sache, wenn einem die Medien alles Mögliche andichten und eine andere, wenn man in einem Gerichtssaal sitzt und um sein Leben kämpft, während einen die Leute als 'Teufel' bezeichnen."

Knox kann sich Rückkehr nach Italien vorstellen

Trotz dieses traumatischen Erlebnisses, will Amanda Knox nicht vor der italienischen Justiz davonrennen. Sie könne sich eine Rückkehr nach Italien für den Berufungsprozess vorstellen, sagte sie der Zeitung "USA Today". "Ehrlich gesagt, ich erwäge es", so Knox weiter. Gerichtsexperten allerdings gehen davon aus, dass ihr auch in Abwesenheit der Prozess gemacht werden kann. "Meine Anwälte haben mir gesagt, ich bräuchte nicht teilnehmen." Es sei ihr aber wichtig sich zu sagen: 'Das geschieht nicht weit entfernt von mir und ist nicht wichtig für mich'. Auch wenn der Gedanke "gruselig" sei.

nik mit AFP
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