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Newsticker zum Prozessauftakt in Oslo: Breivik will als zurechnungsfähig gelten

Schon am ersten Prozesstag versuchte der Massenmörder Anders Breivik, das Gericht als Bühne zu nutzen. Mal weinte er, mal grinste er. Die Ereignisse im stern.de-Newsticker.

15.17 Uhr: Der erste Prozesstag ist beendet

Der erste Tag im Prozess gegen Breivik ist zu Ende. Die Anhörung des Täters erfolgt am zweiten Prozesstag.

15.05 Uhr: Breiviks Anwalt ergreift das Wort

Geir Lippestad, Anwalt des Massenmörders Breivik, kündigt an, sein Mandant werde ein Dokument vorlesen, um sich zu verteidigen. Dass dies geschehen soll, obwohl die Faktenlage klar sei, begründet er mit dem Recht eines Jeden, sich zu erklären. Es sei der Wunsch des Angeklagten, als zurechnungsfähiger Täter verurteilt zu werden.

14.09 Uhr: Gericht spielt Notruf ab

Die Tonaufnahme eines Notrufs von der Fjordinsel Utøya schockiert die Angehörigen und Zuhörer im Prozess. Auf dem Band, das die Anklage vorspielt, ist zu hören, wie ein Mädchen während des Amoklaufes im vergangenen Sommer minutenlang die Polizei um Hilfe bittet. "Kommt schnell, kommt schnell", sagt das Mädchen in der Aufnahme - im Hintergrund Schüsse und Schreie. Breivik zeigt keine Gefühle, atmet allerdings tief durch. Staatsanwalt Svein Holden hatte die Angehörigen im Gerichtssaal zuvor vor "kräftigem Tonmaterial" gewarnt und ihnen Gelegenheit gegeben, den Raum zu verlassen.

13.20 Uhr: Gericht zeigt Film des Regierungsviertels

Ein animiertes Video, das das Osloer Regierungsviertel und die Standorte der Opfer aus der Vogelperspektive zeigt, wird abgespielt. Zuvor hatten Betroffene, die den Film nicht sehen wollten, die Möglichkeit, den Gerichtssaal zu verlassen.

13.00 Uhr: Breivik kehrt lächelnd in den Gerichtssaal zurück

Nach der Mittagspause kommt Breivik lächelnd wie ein Medienstar in den Gerichtssaal zurück.

12:37 Uhr: Mädchen bricht in Prozesspause zusammen

Wie belastend der Prozess für die Beteiligten ist, zeigt sich in einer Prozesspause: Ein junges Mädchen bricht zusammen und muss betreut werden. Bei vielen fließen Tränen, als Staatsanwältin Inga Bejer Engh die Anklage verliest.

12.12 Uhr: Breivik weint bei Clipvorführung

Gefühlsausbruch beim Attentäter: Als das Gericht einen Videoclip zeigt, den der Angeklagte im Internet hochgeladen hat, beginnen Breiviks Mundwinkel zu zucken. Anschließend wischt er sich die Augen, die von Tränen feucht geworden sind. In dem Film sind Fotos und Zeichnungen zu sehen, die vor allem muslimische Fundamentalisten zeigen.

Unklar ist, was die Tränen von Breivik provoziert haben könnte. In den Verhören hatte er angegeben, Mitglied eines Tempelritter-Ordens zu sein. Die Ankläger gehen jedoch davon aus, dass ein solches Netzwerk nicht existiert.

11.45 Uhr: Gericht zeigt von Breivik produziertes Video

Im Gerichtssaal wird ein Video gezeigt, das Massenmörder Breivik selbst produziert hat. Der Staatsanwalt erklärt, das Gericht habe darüber debattiert, ob der Film gezeigt werden sollte, sich dann aber dafür entschieden. Der Film gebe dem Gericht gute Informationen über die politischen Standpunkte des Angeklagten.

11.20 Uhr: Gericht zeigt "Uniform" Breiviks

Ein Bild der "Uniform" Breviks, in der er sich selbst fotografierte, wird an die Wand projiziert. Der Massenmörder grinst, als es erscheint. Der Staatsanwalt zeigt ein weiteres Bild mit "Gegenständen, die am 22. Juli benutzt wurden". Er nennt die Waffe nicht, die auf dem Foto zu sehen ist. Breivik grinst erneut. Anschließend zeigt das Gericht Bilder der Instrumente, mit denen Breivik die Bombe baute, zum Beispiel einen Betonmischer und vier Mixer. Zudem sind Säcke voller Kunstdünger zu sehen, den Breivik für die Herstellung von Sprengstoff nutzte.

11.10 Uhr: Staatsanwalt beschreibt gescheiterte Karriere

Der Staatsanwalt spricht über Breiviks Leben vor den Anschlägen, damit das Gericht den Ausführungen des Attentäters folgen kann. Er berichtet von mehreren gescheiterten Versuchen Breiviks, mit einer eigenen Firma Geld zu verdienen. Erst der Verkauf gefälschter Dokumente bringt "erhebliche Einnahmen." Als dieser Punkt verlesen wird, grinst Breivik.

11.08 Uhr: Breivk bleibt demonstrativ sitzen

Nach der Verlesung der Anklage erheben sich alle Prozessbeteiligten. Breivik bleibt demonstrativ sitzen.

10.25 Uhr: Breivik will aus Notwehr gemordet haben

Staatsanwältin Bejer Engh fragt Breivik: "Erklären Sie sich ganz oder teilweise schuldig?" Breivik entgegnet eine absurde und menschenverachtende Antwort: "Ich erkenne die Taten an, aber nicht die Strafschuld, denn ich habe in Notwehr gehandelt."

09.51 Uhr: Namen der Opfer werden vorgetragen

Die Anklagevertreterin trägt die Namen der Opfer der beiden Attentate vor. Staatsanwältin Inga Bejer Engh beschreibt in allen Einzelheiten, wie die Menschen beim Bombenanschlag im Regierungsviertel von Oslo starben, wie die Jugendlichen auf der Ferieninsel Utøya eiskalt erschossen wurden.

09.36 Uhr: Breivik behauptet, er sei Schriftsteller

Als die Richterin bei seiner Vorstellung sagt, er sei arbeitslos, korrigiert er dies mit den Worten, er sei "Schriftsteller". Behring Breivik sagt, er schreibe im Gefängnis an einem neuen Werk. In einem 1500-Seiten-Manifest, das er früher im Internet verbreitete, erklärte er seine Taten für "grausam, aber notwendig", um die Aufmerksamkeit auf seinen Kampf gegen die "muslimische Invasion" nach Europa zu lenken.

09.32 Uhr: Anwalt kündigt Aussagen Breiviks an

Breiviks Anwalt kündigt an, sein Mandant werde vor Gericht bedauern, "nicht weitergegangen zu sein". Dem Gericht lagen zwei unterschiedliche psychiatrische Gutachten vor: In einem wird der Attentäter als psychisch krank beschrieben, das andere bescheinigt ihm volle Zurechnungsfähigkeit. Endgültig muss die aus fünf Richtern bestehende Strafkammer über Breiviks Geisteszustand entscheiden.

09.02 Uhr: Der Attentäter betritt den Gerichtssaal

Attentäter Anders Behring Breivik ist aus dem Gefängnis im Gerichtssaal eingetroffen. Der 33-Jährige, der wegen Terrorismus und vorsätzlichen Mordes angeklagt ist, betritt den Saal. Sobald die Handschellen gelöst sind, streckt er den Arm mit geballter Faust, ein rechtsradikaler Gruß. Er erkenne die norwegische Gerichte nicht an, sagte er. Sie hätten ihr Mandat von Parteien erhalten, die den Multikulturalismus förderten.

fro/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters