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NS-Verbrechen: Demjanjuk auf dem Weg nach Deutschland

Das Gezerre um die Auslieferung von John Demjanjuk nach Deutschland hat ein Ende. US-Beamte haben den mutmaßlichen KZ-Schergen aus seinem Haus in Cincinnati abgeholt und zum Flughafen gebracht. Der Anwalt des 89-Jährigen bestätigte: "Demjanjuk wird am Mittwoch in München ankommen".

Der mutmaßliche Nazi-Verbrecher John Demjanjuk wird nach Angaben seines Verteidigers an diesem Mittwoch in München ankommen. "Die Staatsanwaltschaft München hat mir das bestätigt", sagte der Anwalt Günther Maull am Dienstagabend der Deutschen Presse-Agentur. Der genaue Zeitpunkt der Ankunft sei ihm aber nicht bekannt. Auch US-Medien berichteten, Demjanjuk sei auf dem Weg nach Deutschland. Der 89-Jährige sei am Dienstagmittag (Ortszeit) von seinem Haus in Cincinnati im US-Bundesstaat Ohio von amerikanischen Beamten abgeholt und zum Flughafen gebracht worden, berichtete die Zeitung "Plain Dealer".

Von der Staatsanwaltschaft München war am Dienstagabend keine Bestätigung zu erhalten. Die Behörde wirft Demjanjuk vor, als Wachmann im Vernichtungslager Sobibor Beihilfe zum Mord an mindestens 29.000 Juden geleistet zu haben. Der gebürtige Ukrainer soll in München vor Gericht gestellt werden. Anwalt Maull sagte, Demjanjuk werde wohl ins Gefängnis Stadelheim kommen, möglicherweise auf die Krankenstation. Dies hänge von seinem Gesundheitszustand ab. Der Anwalt erklärte, er erwäge dann eine Haftbeschwerde, sehe aber wenig Aussicht auf Erfolg.

Dem Bericht der US-Zeitung zufolge hatten Beamte der Einwanderungsbehörde den staatenlosen Demjanjuk zu dem regionalen Flughafen Burke Lakefront gebracht, von wo er mit einer kleinen Sondermaschine zum Flughafen nach New York geflogen werden sollte. Für den Abend war demnach der Weiterflug nach München vorgesehen. Ein Sprecher des Münchner Flughafens sagte, es sei nicht bekannt, mit welcher Maschine Demjanjuk in der bayerischen Landeshauptstadt landen solle. Dies könne ein Linienflugzeug sein, aber auch eine Privatmaschine.

Ein Berufungsgericht im US-Bundesstaat Virginia hatte vergangene Woche entschieden, dass Demjanjuk nach Deutschland abgeschoben werden könne. Das Amtsgericht München hatte im März Haftbefehl gegen den gebürtigen Ukrainer erlassen.

DPA / DPA