NS-Verbrechen Demjanjuk soll Montag ausgeliefert werden


Die Auslieferung des mutmaßlichen NS-Verbrechers John Demjanjuk nach Deutschland steht offenbar unmittelbar bevor. Schon am Montag soll der ehemalige KZ-Wächter in München eintreffen, teilte sein Anwalt mit. Offenbar sind alle juristischen Tricks gescheitert, die Abschiebung aus den USA weiter zu verzögern.

Der in den USA lebende frühere KZ-Wächter John Demjanjuk wird nach Angaben seines deutschen Anwalts Günther Maull am Montag nach München ausgeliefert. Demjanjuk solle am Sonntag in Begleitung eines Arztes, eines Pflegers und eines Polizisten zunächst von Cleveland nach New York geflogen und von dort mit einer Linienmaschine nach München gebracht werden, sagte Maull am Donnerstag.

Maull bestätigte damit einen Bericht der Münchener "Abendzeitung". Der US-Anwalt des 88-Jährigen habe ihm gestern mitgeteilt, dass alle juristischen Versuche Demjanjuks, die Abschiebung noch zu verhindern, in den USA gescheitert seien, sagte Maull.

Ein Sprecher der Münchner Staatsanwaltschaft wollte die bevorstehende Auslieferung Demjanjuks zunächst nicht bestätigen. Die Anklage wirft dem unter dem Namen Iwan Demjanjuk in der Ukraine Geborenen Beihilfe zum Mord in 29.000 Fällen vor. Sie hat deshalb einen internationalen Haftbefehl gegen ihn erwirkt.

Demjanjuk soll 1943 für ein halbes Jahr zu den Wachmannschaften des NS-Vernichtungslagers Sobibor im damals von Deutschland besetzten Polen gehört haben. Er muss sich in München vor Gericht verantworten, da er vor seiner Auswanderung in die USA bis Anfang der 50er Jahre in der Nähe der bayerischen Landeshauptstadt lebte.

In einem früheren Verfahren in Israel war Demjanjuk wegen des Vorwurfs, KZ-Wächter in Treblinka gewesen zu sein, zum Tode verurteilt worden. Dieses Urteil wurde aber später aufgehoben, da seine Identität nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte. Die alten Vorwürfe spielen in München keine Rolle.

AFP AFP

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