NS-Verbrechen Gericht stoppt Auslieferung von Demjanjuk


Eigentlich sollte John Demjanjuk am Sonntag von den USA nach Deutschland ausgeliefert werden. Doch der Anwalt des mutmaßlichen KZ-Schergen, der am Mord von 29.000 Juden beteiligt gewesen sein soll, erwirkte in letzter Minute eine Aufschiebung.

Ein US-Gericht hat die für das Wochenende geplante Abschiebung des mutmaßlichen NS-Verbrechers John Demjanjuk ausgesetzt. Dies teilte Demjanjuks Sohn am Freitag mit. Das Gericht ordnete demnach an, die Auslieferung bis zu einer Entscheidung über die von Demjanjuk beantragte Wiederaufnahme des Abschiebeverfahrens zu stoppen.

Demjanjuks US-Anwalt, John Broadley, hatte am Donnerstag vor einem für Einwanderungsfragen zuständigen Gericht in Virginia einen Antrag auf Aussetzung der Auslieferung und Wiederaufnahme des Verfahrens gestellt. In einer Erklärung Demjanjuks, die dem Gerichtsantrag angehängt ist, weist er auf schwere Folgen hin, die eine Ausweisung nach Deutschland für ihn hätte. Eine Abschiebung "wird mich schweren körperlichen und geistigen Schmerzen aussetzen, die unter einer vernünftigen Definition dieses Ausdrucks eindeutig auf Folter hinauslaufen", erklärt der 89-Jährige.

Demjanjuks Anwälte hatten zudem argumentiert, der Gesundheitszustand ihres Mandanten sei so schlecht, dass er nicht nach Deutschland reisen könne. Der 89-Jährige leide unter einer Knochenmarkserkrankung, Nierenversagen sowie rheumatischen Beschwerden.

Demjanjuk, der in Cleveland in Ohio lebt, sollte am Sonntag von den USA nach Deutschland abgeschoben werden. Wegen Beihilfe zum Mord an 29.000 Juden im Vernichtungslager Sobibor während des Zweiten Weltkriegs im besetzten Polen will die Münchner Staatsanwaltschaft dem mutmaßlichen KZ-Aufseher den Prozess machen.

Der gebürtige Ukrainer hatte nach dem Krieg bei München gelebt und war 1952 in die USA ausgewandert, wo er später die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt. Er änderte seinen Vornamen Iwan in John. Die USA haben ihm das Bürgerrecht inzwischen wieder aberkannt und wollen den Staatenlosen schon seit einem Jahr abschieben, fanden aber bisher kein aufnahmebereites Land. Das änderte sich erst mit dem Münchner Haftbefehl vom 10. März 2009.

AP/DPA/Reuters AP DPA Reuters

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