NS-Verbrechen Lebenslang für zehn SS-Soldaten


In Abwesenheit hat ein Militärgericht zehn ehemalige SS-Angehörige zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Männer waren vor 61 Jahren an einem der schwersten Nazi-Massaker in Italien beteiligt.

1944 wurden in der toskanischen Gemeinde Sant'Anna di Stazzema 560 Zivilisten ermordet. Das Militärgericht in La Spezia verkündete das Urteil am Mittwochabend nach über einjährigen Verhandlungen. "Wir wollen keine Rache, sondern Gerechtigkeit", kommentierte der Bürgermeister von Sant'Anna di Stazzema, Michele Sillicani, das Urteil. "Endlich haben wir jetzt Gerechtigkeit." Auch Angehörige der Opfer äußerten sich am Abend befriedigt über das Urteil.

Die Angeklagten - unter ihnen die ehemaligen SS-Offiziere Gerhard Sommer, Alfred Schönenberg und Ludwig Sonntag - waren alle nicht vor Gericht erschienen, weil Deutschland keine eigenen Staatsbürger ausliefert. Allerdings ermitteln seit längerem auch deutsche Behörden wegen des Massakers in Sant'Anna.

Im August 1944 hatten Angehörige der SS-Panzerdivision "Reichsführer SS" etwa 560 Zivilisten getötet, darunter viele Frauen und Kinder. Nach Berichten von Augenzeugen erschossen die Angehörigen der Einheit ihre hilflosen Opfer mit Maschinengewehren und warfen Handgranaten auf sie. Später seien die Leichen verbrannt worden. Wegen der Abwesenheit der Angeklagten hatten italienische Kommentatoren von einem "eher symbolischen als streng juristischen Prozess" gesprochen.

Verbrechen über Jahrzehnte nicht verfolgt

Die Staatsanwaltschaft in Stuttgart erklärte am Mittwoch, sie ermittle wegen des Massakers in Sant'Anna bereits seit 2002. Es gehe um mehr als zehn Verdächtige. Wie lange die Recherchen noch dauern, sei unklar. "Die Ermittlungen sind problematisch, weil jedem Einzelnen nachgewiesen werden muss, in welcher Weise er ganz konkret beteiligt war", sagte eine Sprecherin der Behörde.

Wie zahlreiche andere Naziverbrechen wurde das Massaker von Sant'Anna von den italienischen Behörden über Jahrzehnte nicht verfolgt. In Rom heißt es, Prozessakten seien über Jahrzehnte bei den Behörden verschwunden, zahlreiche Verfahren "versandet". Italien habe in der Zeit des Kalten Krieges aus politischen Gründen auf die Verfolgung von Nazi-Verbrechen verzichtet. Einer der Gründe für die Vertuschung sei es etwa in den 50er Jahren gewesen, die Wiederbewaffnung Deutschlands nicht gefährden zu wollen.

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker