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NSU-Prozess: Zschäpes neuer Verteidiger bekommt Prozesspause

Damit sich der neue, vierte Pflichtverteidiger von Beate Zschäpe in den NSU-Prozess einarbeiten kann, wird es diese Woche keine weiteren Gerichtstermine geben. Allerdings wird das Verfahren nicht für drei Wochen unterbrochen, wie zuvor gefordert.

Verteidiger Mathias Grasel wird von Kameras gefilmt, er trägt eine rahmenlose Brille und schaut mit neutraler Miene

Mathias Grasel wird als vierter Strafverteidiger Beate Zschäpe vor Gericht vertreten

Das Oberlandesgericht (OLG) München hat den NSU-Prozess am Dienstag unterbrochen. Alle drei Verhandlungstermine dieser Woche wurden abgesetzt. Außerdem strich das Gericht zwei weitere Termine im Juli. Es folgte damit teilweise einem Antrag des neuen, vierten Verteidigers von Beate Zschäpe, Mathias Grasel. Dieser hatte sogar eine dreiwöchige Verhandlungspause verlangt, um sich in den Prozessstoff einarbeiten zu können. Dem folgte das Gericht aber nur teilweise und machte geltend, dass die Angeklagte weiterhin auch von ihren drei bisherigen Anwälten verteidigt werde. Der 30-jährige Grasel wurde erst am Montag zum vierten Pflichtverteidiger Zschäpes bestellt und erschien am Dienstag, dem 216. Verhandlungstag des Mammut-Prozesses, zum ersten Mal im Gericht.

Zschäpe muss sich für die zehn Morde verantworten, die die Bundesanwaltschaft dem "Nationalsozialistischen Untergrund" zuschreibt. Als Zeugen waren am Dienstag ein Thüringer Kriminalermittler und der frühere Sänger einer Jenaer Neonazi-Band geladen.

Bricht Zschäpe jetzt ihr Schweigen?

Zschäpes Verhältnis zu ihren drei anderen Verteidigern gilt nach über zweijähriger Prozessdauer als belastet, zuletzt sprach sie während der Prozesstage nicht mehr mit ihnen. Mit dem von ihr selbst gewünschten Grasel unterhielt sie sich am Dienstag dagegen sehr angeregt. Am Rande des Verfahrens äußerten Nebenklägervertreter die Hoffnung, dass mit dem neuen Verteidiger Zschäpe womöglich ihr bisheriges konsequentes Schweigen aufgeben könnte.

Die Berufung eines vierten vom Staat bezahlten Pflichtverteidigers gilt als ungewöhnlich. Allerdings ist in der Strafprozessordnung nur die Zahl der Wahlverteidiger - also der von einem Angeklagten selbst bezahlten Rechtsanwälte - mit der Höchstzahl drei begrenzt. Beim OLG München hieß es, dass die Kosten nicht den Ausschlag geben werden. 

Der Prozess um die rechtsextrem motivierte Anschlagserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) mit zehn Toten, zwei Bombenanschlägen und mehr als einem Dutzend Überfällen gilt als eines der aufwändigsten Verfahren der deutschen Nachkriegsgeschichte. Die Kosten belaufen sich bereits jetzt auf mehr als 30 Millionen Euro. 

ono / DPA
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