HOME

Eklat vor Gericht: Polizei bestätigt: Nebenklägerin im NSU-Prozess war erfunden

Nach der großen Verwirrung herrscht jetzt Klarheit: Das vermeintliche Opfer eines Nagelbombenanschlags in der Kölner Innenstadt gibt es tatsächlich nicht. Das BKA hatte die Existenz der Frau klären sollen.

Ein Bild der Zerstörung bot sich nach einem Nagelbombenanschlag in der Kölner Kreupstraße (Archivfoto). 22 Menschen waren verletzt worden.

Ein Bild der Zerstörung bot sich nach einem Nagelbombenanschlag in der Kölner Kreupstraße (Archivfoto). 22 Menschen waren verletzt worden.

In der Affäre um ein erfundenes Opfer eines NSU-Bombenanschlags hat ein Zeuge vor dem Oberlandesgericht München Klarheit geschaffen. Die Nebenklägerin Meral K., vermeintliches Opfer des Attentats in der Kölner Keupstraße im Jahr 2004, gebe es gar nicht, sagte ein Ermittler des Bundeskriminalamtes im Münchener NSU-Prozess. Der Beamte war vom Gericht beauftragt worden, die Existenz der Frau zu klären.

Die Affäre war vor einem Monat ins Rollen gekommen. Der Vorsitzende Richter hatte den Anwalt des vermeintlichen Opfers aufgefordert, dafür zu sorgen, dass die Nebenklägerin vor Gericht erscheine.

Zwei Staatsanwaltschaften ermitteln wegen Betrugs

Wenige Tage später teilte der Anwalt mit, es gebe die Frau wohl nicht. Bis dahin hatte er sie zweieinhalb Jahre im NSU-Prozess vertreten. Inzwischen ermitteln zwei Staatsanwaltschaften in der Sache wegen Betrugs.

Hauptangeklagte im NSU-Prozess ist Beate Zschäpe. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr Mittäterschaft an allen Verbrechen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" vor, darunter die Serie von zehn Morden und zwei Sprengstoffanschlägen.

tim / DPA