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Köln: Vertrauliche NSU-Prozessakten auf Bürgersteig gefunden

Als habe es bei den Ermittlungen zu den NSU-Morden nicht schon genug Pannen gegeben, wurde nun auch im Verfahren ein peinlicher Zwischenfall bekannt: In Köln wurde eine CD mit Akten zum Prozess gefunden - sie lag auf dem Bürgersteig.

Beate Zschäpe im Gerichtssaal

Beate Zschäpe ist die Hauptangeklagte im NSU-Prozess

Im Münchner NSU-Prozess hat der Vorsitzende Richter Manfred Götzl am Dienstag einen peinlichen Vorgang enthüllt: Das Fundbüro in Köln-Ehrenfeld habe im Gericht angerufen und gemeldet, eine CD mit Aktenstücken aus dem Verfahren sei auf einem gefunden worden. 

"Welcher Anwalt vermisst eine Nachlieferung?", fragte Götzl. Allerdings meldete sich niemand. In Nachlieferungen werden seit Prozessbeginn vor zweieinhalb Jahren immer wieder Dokumente von Ermittlungsbehörden oder Schreiben der Prozessbeteiligten zusammengefasst, digitalisiert und als CDs vom Gericht verteilt. Die Dokumente sind vertraulich.

Richter kritisiert Anwalt eines NSU-Opfers scharf

Der Richter kritisierte außerdem den Anwalt eines Kölner NSU-Opfers scharf und fragte wiederholt nach, ob und wann dieser zuletzt Kontakt zu seiner Mandantin hatte. Sie sei mehrmals als Zeugin geladen gewesen, aber nicht erschienen. Götzl drohte ein Ermittlungsverfahren an, falls er nicht bis diesen Mittwoch die gewünschten Auskünfte erhält.

Hauptangeklagte im Prozess ist Beate Zschäpe. Sie muss sich für die Serie von zehn Morden und alle weiteren Verbrechen verantworten, die die Bundesanwaltschaft dem "Nationalsozialistischen Untergrund" vorwirft.

car / DPA