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NSU-Untersuchungsausschuss: Mutter von Uwe Böhnhardt stellt Polizei-Angaben infrage

15 Jahre nach dem Sprengstofffund hat die Mutter des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt Zweifel an den Angaben der Polizei. Fundstücke stammten womöglich nicht aus der Wohnung ihres Sohnes.

Der Thüringer Neonazi-Untersuchungsausschuss hat am Donnerstag die Mutter des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt vernommen. Dabei ging es um die Razzia im Januar 1998, bei der die Jenaer Bombenwerkstatt des späteren NSU-Trios aufflog, und die Frage, wie sich Böhnhardt absetzen konnte. Die meisten Polizisten hatten ausgesagt, er habe nicht festgenommen werden können, da der Bombenfund in Beate Zschäpes Garage noch nicht bekannt war, als er verschwand.

Böhnhardts Mutter hat vor dem Thüringer Landtag vor allem ihr tiefes Misstrauen gegen die Polizei geschildert. Sie glaube inzwischen nicht mehr, dass in der durchsuchten Garage Böhnhardts wirklich Sprengstoff gefunden worden sei. Sie bezweifelte auch, dass alles, was die Polizei bei Razzien in der Wohnung ihres Sohnes entdeckt haben will, sich tatsächlich dort befand.

Voraussichtlich wird Böhnhardts Mutter noch ein weiteres Mal vom Ausschuss gehört werden, weil der Verfassungsschutz später mit der Familie über eine Rückkehr des NSU-Trios verhandelte. Außerdem besuchten die Eltern nach eigenen Schilderungen die drei mutmaßlichen Terroristen bis Anfang Frühjahr 2002 mehrfach in Sachsen. Dem NSU-Trio werden zehn Morde zur Last gelegt.

Böhnhardt und sein Komplize Uwe Mundlos hatten sich erschossen, als ihre Verhaftung drohte. Beate Zschäpe steht wegen Mittäterschaft in München vor Gericht.

kgi/DPA / DPA