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Babyleichen-Fund in Wallenfels: Sechs Säuglinge waren laut Obduktion voll lebensfähig

Nach dem Fund von acht Babyleichen in Oberfranken liegen die Ergebnisse der rechtsmedizinischen Untersuchungen vor. Sechs der entdeckten toten Neugeborenen wären demnach voll lebensfähig gewesen.

Sechs der acht in Wallenfels entdeckten toten Neugeborenen waren laut Obduktionsbericht lebensfähig

Sechs der acht in Wallenfels entdeckten toten Neugeborenen waren laut Obduktionsbericht lebensfähig

Für die Ermittler lichtet sich nach und nach das Dickicht von offenen Fragen rund um den Babyleichen-Fund von Wallenfels. Erste Ergebnisse der rechtsmedizinischen Untersuchungen der sterblichen Überreste der Säuglinge liegen vor. Demnach wären sechs Kinder nach der Entbindung lebensfähig gewesen, zwei vermutlich nicht.

Wann sie jedoch zur Welt kamen - das konnte auch bei der Obduktion nicht geklärt werden. Der Verwesungsgrad der Leichen war wohl zu stark. Ebenso gibt es noch keine Informationen zur Todesursache. Weitere Tests stehen aus, heißt es bei der Polizei, etwa auch zur Vaterschaftsfrage.

Obduktion kann nicht alle Fragen klären

Und auch andere Fragen bleiben, die weniger die reine Polizeiarbeit betreffen, sondern das familiäre und gesellschaftliche Umfeld der Frau sowie die soziale Dimension des Falls. Wie können so viele Schwangerschaften und Geburten unbemerkt bleiben? Und das ausgerechnet in einem 2800-Einwohner-Städtchen, wo jeder jeden kennt.

Die Frau war eine Einheimische, ihr Mann stammt ebenfalls aus dem oberfränkischen Wallenfels. In den Tagen nach den grausigen Funden sind viele Bewohner schockiert. Es habe nichts gegeben, was auf diese Tragödie hätte hinweisen können, sagt Bürgermeister Jens Korn.

Auch viele andere Wallenfelser äußern sich ähnlich. Der Eindruck entsteht: Die 45-Jährige hat die Schwangerschaften geschickt vertuscht, vielleicht mit weiter Kleidung. Und wer spricht wirklich die Nachbarin oder die Bekannte aus dem Ort auf eine mögliche Schwangerschaft an, wenn sie vielleicht etwas fülliger geworden ist?

Verleugnete Schwangerschaften bleiben vom Umfeld oft unerkannt

Zudem bedeuten verdrängte Schwangerschaften, dass sich der Körper weniger verändert als normalerweise, sagt die Kriminalpsychologin Monika Frommel. "Es ist medizinisch erwiesen, dass der Leibesumfang bei verleugneten Schwangerschaften deutlich kleiner ist."

Aber konnte das auch im nächsten Umfeld, also in der eigenen Familie, unbemerkt bleiben? Die Leichen waren in einem Abstellraum versteckt, eingewickelt in Plastiktüten und Handtüchern. Den Schilderungen der Nachbarn zufolge lebte die Schwiegermutter der Frau mit im Haus, dazu ihr Mann und die gemeinsamen Kinder.

"Gewisser Tatverdacht" beim Ehemann

Vom Ehemann hatte sich die 45-Jährige vor einigen Wochen getrennt. Die Ermittler hegen gegen ihn einen "gewissen Tatverdacht", wie es offiziell heißt. Er soll behauptet haben, nichts bemerkt zu haben, heißt es in Medienberichten.

Die Frau hat bei der Polizei gestanden, einige Säuglinge lebend zur Welt gebracht und dann umgebracht zu haben. Ob sie auch ein Motiv genannt hat - dazu schweigen die Ermittler. In den Fällen in Deutschland, in denen in den vergangenen Jahren Mütter eingeräumt hatten, ihre Babys umgebracht zu haben, war die Motivlage vielfältig - die eine hatte Angst, von ihrem Mann verlassen zu werden, die andere fürchtete bei weiteren Kindern um ihren Lebensstandard.

Katharina Zeilmann / DPA