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Österreich: Neue Vorwürfe im Fall Kampusch

Die Ermittlungspannen im Fall Kampusch nehmen immer größere Ausmaße an. Eine Zeugin gab jetzt an, dass die Ermittlungen gegen den Entführer der damals 10-jährigen Natascha Kampusch auf Befehl "von oben" eingestellt worden seien.

Neue Vorwürfe im Fall Natascha Kampusch: Eine anonyme Zeugin hat in einer österreichischen Zeitung behauptet, Wiener Polizisten hätten 1998 nach der Entführung der damals Zehnjährigen auf Anweisung "von oben" die Ermittlungen gegen Wolfgang Priklopil eingestellt. Damals habe Priklopil als Hauptverdächtiger gegolten.

Polizisten-Frau belastet Ermittler schwer

In einer Beilage der Boulevardzeitung "Österreich" hatte die Ex-Frau eines ehemaligen Polizisten berichtet, sie habe vor zehn Jahren von ihrem damaligen Mann gehört, dass sich Priklopil bei seiner Aussage in Widersprüche verstrickt und kein Alibi gehabt habe. Dann habe es die Order von oben gegeben, die Ermittlungen einzustellen.

Priklopil hatte die damals zehnjährige Natascha Kampusch auf dem Schulweg entführt. Das Mädchen war acht Jahre in seiner Gewalt. Als ihr 2006 die Flucht gelang, brachte sich Priklopil um. Der Fall sorgte damals weltweit für Aufsehen.

Untersuchungen nach Ermittlungspannen

Nach Bekanntwerden diverser Ermittlungspannen war Anfang Februar von der Regierung eine Untersuchungskommission unter der Leitung des ehemaligen Verfassungsrichters Ludwig Adamovich eingesetzt worden. Diese hat die erste Phase ihrer Untersuchungen abgeschlossen und legt nun einen Zwischenbericht vor. Adamovich sagte, die Kommission werde auch die Vorwürfe der anonymen Zeugin prüfen.

Kampuschs Anwalt verhandelt inzwischen mit dem Staat Österreich über eine hohe Abfindung wegen der Ermittlungspannen. Der österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer hat sich bereits für eine "vernünftige Geste" in Form einer Entschädigung ausgesprochen.

DPA/sh/spi / DPA