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Flüchtlingstragödie in Österreich: Spur der Schlepper führt nach Ungarn

Die Suche nach den Schleppern läuft auf Hochtouren: Die Polizei hat auf einer Pressekonferenz erklärt, was sie bereits über die Flüchtlingstragödie in Österreich sagen kann. Die Ermittler stehen in Kontakt mit den ungarischen Kollegen.

Ein Polizist schaut aus einiger Entferung auf dem Lastwagen, in dem Dutzende Leichen von Flüchtlingen entdeckt wurden.

Polizisten bewachen den auf dem Standstreifen einer österreichischen Autobahn entdeckten LKW mit Dutzenden toten Flüchlingen darin

In Österreich sind bis zu 50 Flüchtlinge in einem Lastwagen ums Leben gekommen. Es sei auch Stunden nach Entdeckung des Fahrzeugs nicht möglich, eine genaue Opferzahl zu nennen, teilte die Polizei am Donnerstagabend bei einer Pressekonferenz in Eisenstadt mit. Es bleibe bei der Schätzung von 20 bis 50 Toten. Erst am Freitag werde Gewissheit herrschen. Die Fahndung nach den verschwundenen Schleppern lief auf Hochtouren.

Der Lkw sei inzwischen in eine ehemalige Veterinärmedizinische Anstalt gebracht worden, wo eine entsprechende Kühlung vorhanden sei. Die Ermittler und Gerichtsmediziner müssten nun die bereits leicht verwesten Opfer bergen, untersuchen und möglichst identifizieren, sagt der Chef der Landespolizei Hans Peter Doskozil. Er gehe davon aus, dass die Schlepper Österreich bereits wieder verlassen hätten.

Verwesungsflüssigkeit im Laderaum

Der Lkw war in einer Pannenbucht im Autobahnabschnitt bei Parndorf (Bezirk Neusiedl am See) abgestellt. Aus dem Laderaum quoll laut Doskozil Verwesungsflüssigkeit. Der Wagen sei wahrscheinlich am Mittwoch dort abgestellt worden. Die Flüchtlinge könnten aber schon früher gestorben sein. Mitarbeiter des Autobahn-Streckendienstes Asfinag hätten den abgestellten Laster entdeckt.

Ob die Menschen beim Transport erstickt sind, wie in verschiedenen österreichischen Medien vermutet wurde, konnte die Polizei zunächst nicht sagen. Für die weiteren Ermittlungen wurde ein Krisenstab eingerichtet. Die Gerichtsmediziner würden in jedem einzelnen Fall die Todesursache klären, sagte Doskozil.

"Schlepper sind Kriminelle"

"Diese Tragödie macht uns alle betroffen", betonte Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). "Schlepper sind Kriminelle. Und wer jetzt noch immer meint, dass es sanftmütige Fluchthelfer sind, dem ist nicht zu helfen."

Das Drama müsse ein "Signal an die europäische Ebene" sein, fordert die Ministerin. Es müssten an den EU-Grenzen endlich Außenstellen geschaffen werden, in denen Flüchtlinge sofort Schutz bekommen. Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) sagte, die organisierte Schlepperei müsse europaweit konsequent bekämpft werden.

Kontakt zu ungarischen Behörden

Die Staatsanwaltschaft nahm inzwischen nach eigenen Angaben Kontakt zu den ungarischen Strafverfolgungsbehörden auf. "Wir werden nichts unversucht lassen, den Fahrer und seine Hintermänner auszuforschen und das Verbrechen aufzuklären", versicherte der leitende Staatsanwalt Johann Fuchs.

Die Zahl der Flüchtlinge auf der westlichen Balkanroute ist nach Angaben von Bundesinnenminister (CDU) im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 600 Prozent gestiegen. Der Zuwachs bei den Menschen, die über das Mittelmeer gekommen seien, liege dagegen nur bei fünf bis zehn Prozent, sagte de Maizière am Donnerstag in Nürnberg. "Das war nicht vorhersehbar."

Bis zu 800 Flüchtlinge täglich

Zurzeit kommen nach Angaben der Bundespolizei täglich 750 bis 800 Flüchtlinge über den Landweg von Griechenland über Mazedonien und Serbien nach Ungarn. Sie stammen demnach vor allem aus Afghanistan, Syrien und dem Irak, vereinzelt auch aus Pakistan und Eritrea.

tkr/DPA
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