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Dutzende Tote in Schleuser-LKW: Österreich startet Großfahndung nach Schleppern

Dutzende Flüchtlinge sind beim Transport in einem Schlepperfahrzeug ums Leben gekommen. Mit Hochdruck fahndet die österreichische Polizei nun nach den Schleppern, die die Flüchtlinge wohl ersticken ließen.

In Österreich sind in einem Schlepperfahrzeug mindestens 30 tote Flüchtlinge entdeckt worden

In Österreich sind diesem Schlepperfahrzeug mindestens 30 tote Flüchtlinge entdeckt worden

Flüchtlingstragödie in Österreich: Dutzende Flüchtlinge sind in einem als Schlepperfahrzeug missbrauchten Lastwagen ums Leben gekommen. In dem Kühlfahrzeug entdeckten Beamte am Donnerstag "mindestens 20 oder auch 40 bis 50 Tote", wie der Polizeidirektor des Burgenlandes, Hans Peter Doskozil, bei einer Pressekonferenz in Eisenstadt sagte.

Inzwischen ist ein Großeinsatz von Polizei und Staatsanwaltschaft angelaufen. Unter Führung eines Krisenstabs fahnden Beamte nach den Schleppern, in deren Kühllastwagen die Leichen entdeckt wurden. Zuvor hatte die "Kronenzeitung" über den tragischen Vorfall berichtet.

Bergung der Opfer noch nicht möglich

Der Lkw war in einer Pannenbucht im Autobahnabschnitt bei Parndorf (Bezirk Neusiedl am See) abgestellt. Aus dem Laderaum quoll laut Doskozil Verwesungsflüssigkeit. Der Wagen sei wahrscheinlich am Mittwoch dort abgestellt worden. Die Flüchtlinge könnten aber schon früher gestorben sein. Mitarbeiter des Autobahn-Streckendienstes Asfinag hätten den abgestellten Laster entdeckt.

Eine Bergung der toten Flüchtlinge noch an der Autobahn sei nicht möglich, sagte Helmut Marban, der Sprecher der Landespolizeidirektion Burgenland. Das Fahrzeug mit einem Überführungskennzeichen des ungarischen Zolls sollte daher für die erforderlichen gerichtsmedizinischen Untersuchungen an einen anderen Ort geschleppt werden. Auch deshalb könne vorerst noch nicht genau ermittelt werden, wie viele Leichen sich in dem Lkw befinden und auf welche Weise die Menschen ums Leben kamen. Als wahrscheinlich gilt, dass sie erstickt sind.

Ein slowakischer Geflügelproduzent hat jede Verbindung zu der Tragödie entschieden zurückgewiesen. "Der Lastwagen ist seit 2014 nicht mehr in unserem Besitz", teilte ein Sprecher des Firmeneigentümers, der Agrofert-Holding in Prag, mit. Das Fahrzeug sei nach mehreren Wiederverkäufen nach Ungarn geraten. Die ursprüngliche Firmenreklame sei von den neuen Besitzern nicht entfernt worden. Die slowakische Polizei bot der Agentur TASR zufolge ihren Kollegen in Österreich Hilfe bei den Ermittlungen an.

Die Staatsanwaltschaft nahm inzwischen nach eigenen Angaben Kontakt zu den ungarischen Strafverfolgungsbehörden auf. "Wir werden nichts unversucht lassen, den Fahrer und seine Hintermänner auszuforschen und das Verbrechen aufzuklären", versicherte der leitende Staatsanwalt Johann Fuchs. Für den Abend wurde eine weitere Pressekonferenz mit der österreichischen Innenministerin angekündigt.

"Schlepper sind Kriminelle"

"Diese Tragödie macht uns alle betroffen", betonte Österreichs Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP). "Schlepper sind Kriminelle. Und wer jetzt noch immer meint, dass es sanftmütige Fluchthelfer sind, dem ist nicht zu helfen". 

Das Drama müsse ein "Signal an die europäische Ebene" sein, fordert die Ministerin. Es müssten an den EU-Grenzen endlich Außenstellen geschaffen werden, in denen Flüchtlinge sofort Schutz bekommen. Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) sagte, die organisierte Schlepperei müsse europaweit konsequent bekämpft werden.

Die "Balkan-Route" führt über die Türkei, Griechenland, Mazedonien und Serbien. Ungarn ist für Flüchtlinge ein Transitland, kein Zielland. Die meisten wollen weiter Richtung West- und Mitteleuropa. 

ivi/fin/tkr / DPA / AFP / Reuters
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