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Waffen und Chemikalien gefunden Offenbar Terroranschlag vereitelt: Deutsche und dänische Behörden nehmen 14 Personen fest

Ermittler in Dänemark bei einer der Razzien in Holbæk am 6. Februar
Ermittler in Dänemark bei einer der Razzien in Holbæk am 6. Februar
© STRINGER / various sources / AFP
Nach einer Anti-Terror-Aktion der Behörden in Deutschland und Dänemark sind insgesamt 14 Personen festgenommen worden. Sie werden verdächtigt, einen Terroranschlag in einem der beiden Länder geplant zu haben. Es wurden Waffen und Bestandteile für Bomben gefunden.

In Deutschland und Dänemark hat die Polizei insgesamt 14 Verdächtige wegen mutmaßlicher Anschlagspläne festgenommen. Wie die Generalstaatsanwaltschaft in Naumburg und der dänische Geheimdienst am Donnerstag mitteilten, sind unter den Verdächtigen drei syrische Brüder, denen die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zur Last gelegt wird. Die Männer im Alter von 33, 36 und 40 Jahren sollen im Januar zum Bombenbau geeignete Chemikalien gekauft haben.

Konkret soll das Trio im Januar am Ankauf mehrerer Kilogramm Chemikalien in Polen beteiligt gewesen sein, die zur Herstellung von Sprengsätzen dienen können. Für zwei der Brüder ist dem Vernehmen nach die erstmalige Einreise nach Deutschland im Jahr 1998 dokumentiert. Mitglieder der Familie waren zwischen 2006 und 2016 mehrfach als radikale Islamisten aufgefallen. Ein konkreter Verdacht ließ sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen damals aber nicht erhärten. 

Waffen und Bomben-Material gefunden: "Besorgniserregende Ergebnisse"

Von den insgesamt 14 Verdächtigen wurden 13 in Dänemark festgenommen, wie der dänische Inlandsgeheimdienst PET mitteilte. Die Razzia vom 6. bis zum 8. Februar konzentrierte sich demnach auf den Großraum Kopenhagen. Sieben der Verdächtigen sitzen den Angaben zufolge bereits wegen der mutmaßlichen Anschlagspläne in Untersuchungshaft. Die sechs weiteren Verdächtigen wurden einem Haftrichter vorgeführt. Eine Person ist nach Angaben des PET in Deutschland festgenommen worden.

Den Verdächtigen wird zur Last gelegt, sich Material zur Herstellung von Sprengstoff und Waffen beschafft oder anderen dabei geholfen zu haben. Bei einer Pressekonferenz des PET und der Polizei am Freitag sagte Polizeidirektorin Lene Sørensen, dass ein Terroranschlag in Deutschland oder Dänemark geplant worden sei. PET-Chef Flemming Drejer teilte mit, dass bei den Razzien Materialien zum Bombenbau sowie Waffen gefunden wurden. "Das sind besorgniserregende Ergebnisse", sagte er in Søborg bei Kopenhagen.

Außerdem wurde in Dänemark bei den mutmaßlichen Terroristen eine IS-Flagge gefunden, weshalb die Ermittler von einem islamistischen Motiv ausgehen. Man befinde sich derzeit aber noch in einem frühen Stadium der Ermittlungen. Survivors Russell Schulz Breitscheidplatz_18.55

Anschlag stand offenbar nicht unmittelbar bevor

Ein genaues Terrorziel sei laut den dänischen Ermittlern aber noch nicht bekannt. Daher sei es auch nicht sicher, ob das Ziel in Dänemark war. Nach Angaben des PET-Chefs waren die Materialien noch nicht zu einer Bombe zusammengebaut worden. Daher vermuten die Behörden nicht, dass ein Angriff unmittelbar bevorstand.

Über den Fall der drei Brüder hatte zuerst der "Spiegel" berichtet. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Naumburg erließ der Ermittlungsrichter des Amtsgerichts im sachsen-anhaltischen Dessau-Roßlau am vergangenen Samstag Haftbefehle gegen die drei syrischstämmigen Männer.

Zwei der drei Beschuldigten wurden später in Dänemark festgenommen, dort stießen Polizisten auch auf die Chemikalien. Der dritte Beschuldigte wurde im Raum Offenbach in Hessen verhaftet. Bei der Durchsuchung einer Wohnung in Dessau-Roßlau entdeckten die Ermittler unter anderem zehn Kilogramm Schwarzpulver und Zündschnüre. In dem Fall ermitteln derzeit die Staatsschutzabteilung der Generalstaatsanwaltschaft Naumburg und das Bundeskriminalamt (BKA). 

Chemikalien im Internet geordert

Laut "Spiegel" hatte das BKA in der vergangenen Woche einen Hinweis auf eine verdächtige Internetbestellung erhalten. Der in Dänemark lebende 33-jähriger Syrer sollte demnach an die Adresse seines Bruders in Dessau-Roßlau mehrere Kilogramm Schwefel und Aluminiumpulver geordert haben.

Bei der Durchsuchung der Wohnung in Dessau-Roßlau fanden die Ermittler dem Magazin zufolge neben der Pyrotechnik und den Zündschnüren auch eine selbstgemalte Flagge der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Von dem in Dessau-Roßlau gemeldeten 36-jährigen Syrer fehlte hingegen zunächst jede Spur, wie das Magazin weiter berichtete.

Nach "Spiegel"-Informationen nahm die Polizei den Mann schließlich in Dänemark zusammen mit seinem dort lebenden Bruder fest, wobei neben den ursprünglich nach Sachsen-Anhalt bestellten Chemikalien auch weitere IS-Symbole entdeckt wurden. Bei dem in Hessen Verhafteten handle es sich um den 40-jährigen dritten Bruder. 

Seehofer: "Haben islamistischen Terroranschlag verhindert"

Das Bundesinnenministerium geht ebenfalls davon aus, dass die drei in Deutschland und Dänemark festgenommenen Syrer einen Terroranschlag geplant hatten. Nach Angaben des Ministeriums wurden damit seit 2009 in Deutschland insgesamt 17 islamistische Anschläge vereitelt. "Unsere Sicherheitsbehörden haben erneut einen islamistischen Terroranschlag verhindert", sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). "Sie arbeiten mit ihren europäischen Partnern Hand in Hand, oft unbemerkt, aber hochwachsam."

Der dänische Justizminister Nick Hækkerup teilte auf Twitter mit: "Ein großes Dankeschön an die deutschen Behörden, mit denen PET in diesem Fall gut zusammengearbeitet hat." Der Fall zeige, dass es weiterhin eine ernst zu nehmende Bedrohung durch Terror in Dänemark gebe. 

Die deutsche Polizei hatte im vergangenen Dezember 617 islamistische Gefährder auf dem Radar. Als "Gefährder" gelten Menschen, denen die Polizei eine schwere politisch motivierte Straftat zutraut. Etwas mehr als die Hälfte von ihnen hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Ein Teil von ihnen hält sich aktuell im Ausland auf, ein Teil ist in Deutschland inhaftiert. Außerdem waren in den Datenbanken der Polizei zuletzt 529 "relevante Personen" gespeichert. So nennt man Menschen, bei denen die Polizei davon ausgeht, dass sie sich an einer solchen Straftat beteiligen oder diese unterstützen würden.

Die Arbeitsgruppe Status des Gemeinsamen Terrorismus-Abwehrzentrums von Bund und Ländern behandelte zuletzt nach Angaben des Innenministeriums 181 islamistische Gefährder und 151 relevante Personen. Die Gruppe hat die Aufgabe, die Abschiebung von extremistischen Ausländern, die als gefährlich eingeschätzt werden, voranzutreiben. Im Dezember 2016 hatte ein abgelehnter Asylbewerber aus Tunesien, der unter anderem wegen fehlender Papiere nicht abgeschoben worden war, beim Anschlag auf den Weihnachstmarkt in Berlin zwölf Menschen getötet.

Quellen: Nachrichtenagenturen DPA und AFP, "Spiegel"PETGeneralstaatsanwaltschaft Naumburg, Danmarks Radio, TV2

rw

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