HOME

Tatverdächtige festgenommen: Das "Pike County Massacre" - sie verschonten nur die Kinder

Die US-Behörden melden mehrere Festnahmen wegen eines Achtfach-Mordes aus dem Jahr 2016. Das grausame Verbrechen schockierte damals das beschauliche Pike County im US-Bundesstaat Ohio.

An dieser Straße im US-Bundesstaat Ohio liegt das Grundstück, auf dem damals sieben der acht Leichen gefunden wurden

An dieser Straße im US-Bundesstaat Ohio liegt das Grundstück, auf dem damals sieben der acht Leichen gefunden wurden

Picture Alliance

Als Bobby Jo Manley am Morgen des 22. April 2016 auf das Grundstück der Familie ihrer Schwester fuhr, bemerkte sie sofort, dass etwas nicht stimmte. Die beiden Pitbulls lungerten vor den Wohnwagen herum, wie sie später Medien berichtete. Normalerweise blieben die Tiere nicht über Nacht draußen. Wenig später sollten sich ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigen.

In den drei Trailern lagen sieben Leichen, jeweils mit mehreren Kopfschüssen geradezu hingerichtet: Die Schwester von Bobby Jo Manley (37 Jahre), deren Ex-Mann (40) sowie dessen Cousin (38) und die drei Kinder des Paares, eine 19-jährige Tochter, ein 17-jähriger und ein 20-jähriger Sohn. Letzterer lag neben der Leiche seiner ebenso alten Verlobten, dem einzigen Opfer mit einem anderen Familiennamen. Die achte und letzte Leiche wurde kurz darauf wenige Autominuten entfernt entdeckt. Der 44-jährige Cousin des Familienoberhauptes lag ebenfalls erschossen in seinem Trailer. Die Täter hatten einzig drei kleine Kinder verschont: ein wenige Tage und ein sechs Monate altes Baby sowie einen Dreijährigen. Bobby Jo Manley fand die kleinen Kinder in den Wohnwagen, unweit der Leichen. Das Neugeborene lag im Bett neben seiner hingerichteten Mutter.

Der Fall löste 2016 ein gewaltiges Medieninteresse aus. Dies ist ein Bild von der Beerdigung von sechs der acht Opfer.

Der Fall löste 2016 ein gewaltiges Medieninteresse aus. Dies ist ein Bild von der Beerdigung von sechs der acht Opfer.

Picture Alliance

Die Tat schockierte die ländliche Gegend Pike County, im US-Bundesstaat Ohio. Insbesondere die Kaltblütigkeit und Brutalität ließ viele in dem kleinen Örtchen Piketon sprachlos zurück. Eine Leiche wies neun Schusswunden in Kopf, Brust und Bauch auf, die Täter hatten jedem Opfer zwischen zwei und fünf Kugeln in den Kopf gejagt.

Warum tut jemand so etwas? Auf diese Frage hatten die Ermittler lange keine Antwort. Die Behörden fanden in den Tagen nach der Tat auf dem Grundstück der Toten professionelle Marihuana-Plantagen, auch eine Infrastruktur für Hahnenkämpfe wurde entdeckt. Zunächst ermittelte die Polizei daher verstärkt in Richtung der organisierten Kriminalität, auch von mexikanischen Drogenkartellen war die Rede. Angehörige der Opfer hatten bereits früh die These geäußert, die Täter hätten die Familie gekannt. Anders sei es nicht zu erklären, dass die Wachhunde auf dem Grundstück nicht auf die Angreifer losgegangen seien.

Sechs Festnahmen mehr als zwei Jahre nach der Tat

Eine Sonderkommission durchsuchte in den Monaten nach der Tat Grundstücke in der Region, rief die Bevölkerung zur Mithilfe auf, wertete tausende Hinweise aus - ohne durchschlagenden Erfolg. Das "Pike County Massacre" führte zu den größten und komplexesten Mordermittlungen in der Geschichte des Bundesstaates - und trotzdem blieb es zwei Jahre lang ungeklärt. Bis Dienstag. Da verkündeten die örtlichen Behörden sechs Festnahmen.

Dringend verdächtig ist eine Familie aus dem Nachbarort. Dem 47 Jahre alten Vater, dessen 48 Jahre alter Ehefrau und ihren beiden erwachsenen Söhnen (26 und 27) wird vorgeworfen, den achtfachen Mord gemeinsam geplant und ausgeführt zu haben. Ebenfalls festgenommen wurden zwei ältere Frauen, die Mutter und Schwiegermutter der Ehefrau. Sie sollen absichtliche Falschangaben gemacht haben, um das Verbrechen zu verschleiern.

Laut Ermittlern waren die beiden Familien jahrelang befreundet. Einer der Tatverdächtigen, der jüngere Sohn der mutmaßlichen "Täter-Familie", hat ein Kind mit einer der Töchter der "Opfer-Familie". Das kleine Mädchen hatte die Tatnacht damals bei den nun Festgenommenen verbracht. Zu einem möglichen Motiv äußerten sich die Ermittler noch nicht. US-Medien berichten allerdings, dass ein Sorgerechtsstreit bei dem Verbrechen eine Rolle gespielt haben soll. Die Behörden teilten dazu mit, dass allen vier Tatverdächtigen auch die Fälschung von Sorgerechtsdokumenten vorgeworfen werde. Der Vater des kleinen Mädchens muss sich auch wegen Sex mit Minderjährigen verantworten, weil er mit dem späteren Opfer geschlafen haben soll, als dieses noch 15 und er 20 Jahre alt war.

Generalstaatsanwalt: Tat aufwendig vorbereitet

Der Generalstaatsanwalt beschuldigte die vier Verdächtigen, sie hätten das Verbrechen minutiös geplant und kaltblütig ausgeführt. Sie hätten die Wohnungen und die Gewohnheiten ihrer Opfer gekannt und die Tat mit viel Aufwand vorbereitet. Die meisten Opfer seien im Schlaf getötet worden.

Die nun festgenommene Familie ist bereits länger im Visier der Ermittler. Die Befragungen sollen zwischenzeitlich so intensiv und häufig gewesen sein, dass deren Anwalt diese in Medienberichten als "Belästigung" bezeichnete und die Familie in der Zwischenzeit nach Alaska zog. Vergangenes Jahr wurde ein Anwesen der Familie ausgiebig von der Polizei durchsucht, allerdings niemand festgenommen. Der Verdacht schien sich nicht zu erhärten. Bis jetzt.

"Sie haben diese Tat schnell, eiskalt, in aller Ruhe und sehr vorsichtig ausgeführt", wird der Generalstaatsanwalt zitiert. "Allerdings nicht vorsichtig genug". Die Täter hätten Spuren hinterlassen, etwa: die Teile, die man zum Bauen eines Schalldämpfers benötigt, die gefälschten Sorgerechtsdokumente sowie Kameras und Handys, an denen sie manipuliert hätten. "Und die Lügen, all die vielen Lügen, die sie uns aufgetischt haben."

Tatort Mordplatz
Themen in diesem Artikel