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Hinrichtung verschoben Ein Giftcocktail, der nicht tödlich genug ist


Der Papst setzt sich für ihn ein sowie Milliardär Richard Branson - doch Oklahoma hält an der Hinrichtung von Richard Glossip fest. Exekutiert wird der Todeskandidat vorerst aber nicht - wegen des zu verwendenden Gifts.

Wegen Zweifeln an dem zu verwendenden Gift hat die Gouverneurin des US-Bundesstaates Oklahoma, Mary Fallin, die Hinrichtung des Todeskandidaten Richard Glossip in letzter Minute verschoben. Weil der Staat noch Zeit zur Klärung von Fragen zu der Verwendung von Kaliumacetat benötige, sei die Hinrichtung auf den 6. November verschoben worden, teilte die Republikanerin mit. Es müsse sichergestellt werden, dass dieses Mittel vollständig den Vorgaben der US-Bundesgerichte entspreche. Eigentlich hatte Glossip am Mittwochnachmittag (Ortszeit) hingerichtet werden sollen.

Laut Fallins Mitteilung soll Kaliumacetat als eines von drei Giften verwendet werden, die Glossips Tod herbeiführen sollen. Vor der Verschiebung der Hinrichtung hatte der Oberste Gerichtshof einen Antrag von Glossips Anwälten auf Aufschiebung der Hinrichtung zurückgewiesen. Auch mit seinem Einwand, dass ein anderes Mittel in dem Giftcocktail unzulässig sei, war Glossip vor Gericht gescheitert.

Wiederholt beteuert Glossip seine Unschuld

Glossip war für schuldig befunden worden, als Mitarbeiter eines Motels einen Kollegen zum Mord an dem Motel-Besitzer angeheuert zu haben. Der Kollege kam mit einer lebenslangen Haftstrafe davon, weil er Glossip als Auftraggeber nannte. Glossip beteuerte wiederholt seine Unschuld, seine Anwälte zweifelten die Glaubwürdigkeit des damaligen Kollegen an. 

 Unter anderem Papst Franziskus setzte sich bei Fallin dafür ein, Glossip nicht hinzurichten. Der britische Milliardär Richard Branson schaltete am Mittwoch sogar eine ganzseitige Zeitungsanzeige, um einen 60-tägigen Aufschub der Hinrichtung zu fordern. Es könne durchaus sein, dass Glossip "vollkommen unschuldig" sei, argumentierte der Unternehmer.

Mittel nicht stark genug gegen schwere Schmerzen

Weil insbesondere europäische Pharmaunternehmen kein Gift für Hinrichtungen in den USA liefern wollen, sehen sich einige US-Bundesstaaten wie Oklahoma gezwungen, nach Alternativen zu suchen, wie etwa das Mittel Midazolam. Kritiker meinen allerdings, dieses Mittel sei nicht stark genug, um schwere Schmerzen bei Hinrichtungen zu vermeiden. Im April hatte bei der Hinrichtung des verurteilten Mörders und Vergewaltigers Clayton Lockett dessen Todeskampf 43 Minuten gedauert. Dabei wand er sich in Schmerzen.

Im US-Bundesstaat Georgia war am Mittwoch die 47-jährige Kelly Gissendaner hingerichtet worden. Gissendaner hatte laut Urteil im Februar 1997 ihren damaligen Liebhaber Gregory Owen angeheuert, ihren Ehemann zu töten, um dessen Lebensversicherung zu kassieren. Owen wurde im Gegenzug für ein Schuldeingeständnis zu lebenslanger Haft verurteilt. Gissendaner lehnte ein Schuldeingeständnis jedoch ab - und wurde zum Tode verurteilt.

Veronika Oleksyn, AFP

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