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Oldenburg: Belohnung im Holzklotz-Fall verdoppelt

Massive Suche nach dem Holzklotz-Werfer: Mit einem 22-köpfigen Ermittlungsteam fahndet die Polizei nach dem Unbekannten. Er hatte mit dem Holzstumpf eine Frau in einem Auto getötet. Die Mordkommission verfügt über erste Hinweise. Nun wurde auch die Belohnung verdoppelt

Die Polizei hat noch keine heiße Spur von dem Unbekannten, der am Sonntag bei Oldenburg eine 33 Jahre alte Frau getötet hat, indem er einen Holzklotz von einer Autobahnbrücke warf. Die Ermittlungen würden mit Hochdruck laufen, sagte Polizeisprecher Sascha Weiß. Zunächst müssten rund 30 Personen befragt werden, die in der Nähe des Tatorts angetroffen worden waren.

Neben den Personalien dieser potenziellen Zeugen seien auch die persönlichen Daten von Hunderten Besuchern dreier Osterfeuer festgestellt worden, die in rund zwei Kilometer Entfernung veranstaltet worden seien. Zudem gehe die Mordkommission mit 22 Beamten ersten Hinweisen nach. So hätten sich Autofahrer gemeldet, die in der Gegenrichtung unterwegs waren und etwa 30 Minuten vor der Tat eine Personengruppe auf der Brücke bemerkten. In der Nähe der Brücke habe man auf einem Grundstück einen Holzstapel entdeckt. Untersuchungen müssten nun klären, ob der Klotz von dort stamme.

Unbekannte hatten am Sonntagabend gegen 20.00 Uhr einen etwa sechs Kilogramm schweren Holzklotz von einer Brücke über die Autobahn A29 bei Oldenburg auf das Auto einer vierköpfigen Familie geworfen. Der Klotz traf die 33-jährige Mutter, die auf dem Beifahrersitz saß, am Kopf. Ihr 36 Jahre alter Ehemann und die auf der Rückbank sitzende siebenjährige Tochter blieben unverletzt. Der neunjährige Sohn erlitt durch Splitter eine leichte Schnittverletzung unter dem rechten Auge.

Vater und Kinder erlitten schwere Schocks

Die Familie war unterwegs aus dem Osterurlaub in ihre Heimatstadt Warendorf in Westfalen gewesen. Vater und Kinder erlitten schwere Schocks und wurden noch am Unglücksabend nach Hause gefahren. Nach Angaben der Polizei sind Vater und Kinder derzeit bei Verwandten untergebracht und werden von einem Notfallseelsorger betreut. Die Stadt Telgte will der Familie ihre Hilfe anbieten, kündigte ein Sprecher an.

Für Hinweise zur Ergreifung des Täters wurde zunächst eine Belohnung von 3.000 Euro ausgesetzt. Die Staatsanwaltschaft verdoppelte die Belohnung für Tat-Hinweise auf 6.000 Euro. Steinewerfer sorgten in den vergangenen Jahren immer wieder für Schlagzeilen. Den schlimmsten Fall gab es im Jahr 2000 in Darmstadt. Damals wurden durch Steinwürfe zwei Autofahrerinnen getötet und fünf Personen teilweise schwer verletzt. Drei amerikanische Schüler im Alter von damals 14, 17 und 18 Jahren hatten die Tat gestanden.

Experte rechnet mit jungen Tätern

Der Kriminologe Rudolf Egg rechnet nicht mit einem erwachsenen Täter: Gerade bei 16- bis 20-Jährigen gelte das Spiel mit dem ultimativen Risiko als Kick, erklärt er. "Es geht ihnen nicht darum, jemanden umzubringen", sagt der Leiter der kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden. Dennoch nähmen die Täter die Katastrophe in Kauf. "Der Wunsch nach Abenteuer ist normal."

Doch während bei Kindern bereits das Sturmklingeln an Mietshäusern für Aufregung sorge, könnten die Mutproben und Streiche der Älteren schnell eskalieren. Ein Versehen war der Tod der jungen Mutter am Sonntagabend wohl trotzdem nicht: "Sie wissen, dass etwas Schlimmes passieren kann", sagt der Kriminalwissenschaftler. Bei herabstürzenden Gegenständen von Autobahnen ist der Kick besonders groß: Wird ein Auto getroffen, ist der Aufprall in vielen Fällen tödlich.

DPA/AP / AP / DPA