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Oligarchen-Streit vor Gericht: Beresowski scheitert mit Milliarden-Klage gegen Abramowitch

Roman Abramowitsch ist aus dem Oligarchen-Gerichtsstreit mit Boris Beresowski als Sieger hervorgegangen. Er muss seinem früheren Geschäftspartner keine Milliarden-Entschädigung zahlen.

Der russische Oligarch #Link;http://www.stern.de/sport/fussball/besitzer-roman-abramowitsch-91464543t.html;Roman Abramowitsch# muss seinem Widersacher und früheren Geschäftspartner #Link;http://www.stern.de/politik/ausland/boris-beresowski-90421766t.html;Boris Beresowski# keine Milliarden-Abfindung zahlen. Der fühlte sich bei den Vorgängen um den Verkauf des russischen Ölkonzerns Sibneft von seinem Geschäftspartner Abramowitsch genötigt und betrogen - seine Schadenersatzklage über drei Milliarden Pfund (3,8 Milliarden Euro) wurde am Freitag vom Londoner High Court aber abgewiesen. Beresowski habe sich als äußerst unzuverlässiger Zeuge erwiesen, zeitweise habe er bewusst gelogen, sagte Richterin Elizabeth Gloster.

Der aufsehenerregende Prozess hatte auch ein Licht auf das dekadente Leben der Superreichen und die Verstrickungen der Oligarchen in Russlands Politik der 1990er Jahre geworfen. Er soll nach Schätzungen englischer Medien Rechtskosten zwischen 100 Millionen und 150 Millionen Pfund (190 Mio. Euro) verursacht haben. Er zählt damit zu den teuersten Zivilprozessen der Geschichte.

Die inzwischen beide in London lebenden früheren Geschäftspartner hatten während der Verhandlung zwischen Oktober 2011 und Januar 2012 über Begegnungen und Gespräche berichtet, die vor rund 15 Jahren stattgefunden haben sollen. Beresowski behauptete, er sei von Abramowitsch genötigt worden, seine Anteile an Sibneft "weit unter deren Wert" zu verkaufen. Erpressung, Vertrauens- und Vertragsbruch warf er ihm vor. Abramowitsch bestritt, dass sein damaliger Freund damals überhaupt Geschäftsanteile besessen habe.

Aussage gegen Aussage

Im Verlauf des Prozesses hatte Aussage gegen Aussage gestanden - Beresowski hatte Abramowitsch (45) unter anderem als "Gangster" bezeichnet, Abramowitsch nannte den 65-Jährigen im Gegenzug "so etwas wie einen Größenwahnsinnigen". Die Richterin erklärte: "In der abschließenden Analyse musste sich das Gericht entscheiden, ob es Mr. Beresowski oder Mr. Abramowitsch glaubt." Sie kam zu dem Ergebnis, Abramowitsch sei "ein wahrheitstreuer und im Ganzen glaubwürdiger Zeuge". Kreml-Kritiker Beresowski wetterte im Anschluss an die Verkündung gar eine Verschwörung: "Manchmal habe ich den Eindruck, dass #Link;http://www.stern.de/politik/ausland/wladimir-putin-90306459t.html;Wladimir Putin# selbst dieses Urteil geschrieben hat."

Der zwanzig Jahre jüngere Abramowitsch bestätigte zwar, riesige Beträge an Beresowski bezahlt zu haben. Diese seien jedoch eine Art "Schutzgeld" gewesen. Der Mathematiker Beresowski, der in der Ära Boris Jelzins über enormen politischen Einfluss verfügte, habe ihn, Abramowitsch, vor schädlichen Eingriffen beschützt.

Beresowski, der einst mit Öl, aber auch mit Autohandel und TV-Sendern seine Milliarden gemacht hat, flüchtete vor zwölf Jahren ins Exil nach London - kurz zuvor soll ihm Abramowitsch die Anteile unter dem Marktwert abgejagt haben. Abramowitsch veräußerte seine Sibneft-Mehrheitsanteile 2005 für 13 Milliarden US-Dollar an Gazprom.

Beresowskis Vermögen ist inzwischen zusammengeschrumpft. Der Putin-Gegenspieler war mit Alexander Litwinenko befreundet, der Ende 2006 in London an den Folgen einer mysteriösen Polonium-Vergiftung gestorben war. Abramowitsch dagegen unterhält dem Vernehmen nach ein unverändert freundschaftliches Verhältnis zu Putin.

Während Beresowski der Urteilsverkündung folgte, war Abramowitsch am Freitag in London nicht anwesend. Er weilte dem Vernehmen nach in Monaco, wo sein Fußballclub FC Chelsea am Freitagabend um den europäischen Supercup spielen sollte.

DPA / DPA