Opa-Bande "Unser Bestreben war, Schrecken zu verbreiten"


Mit einer Maschinenpistole aus dem Zweiten Weltkrieg haben drei Senioren in Westfalen zwölf Banken überfallen. Jetzt steht die Opa-Bande vor Gericht und gesteht: Es war alles ganz einfach.

Im Gerichtssaal wirken sie wie die Großväter von nebenan und haben doch jede Menge Straftaten auf dem Kerbholz und viele Jahre Gefängniserfahrung hinter sich. Insgesamt gehen zwölf Banküberfälle in Westfalen und zwei in Niedersachsen auf das Konto der "Opa-Band". Über eine Million Euro erbeuteten sie dabei - offenbar dank Routine. Nun müssen sich die drei Senioren im Alter zwischen 64 und 74 Jahren für ihre Raubzüge vor dem Landgericht Hagen verantworten. Wie einfach sie es hatten, schildert der 73-jährige Angeklagte zum Prozessauftakt dem Richter: "Sie glauben gar nicht, wie einfach es ist, wenn man es zwei Mal gemacht hat, eine Bank zu überfallen".

Das Trio war bei seinen Raubzügen nicht zimperlich. Schwer bewaffnet mit einer englischen Maschinenpistole aus dem Zweiten Weltkrieg und Pistolen zogen sie maskiert in Filialen von Sparkassen und Volksbanken. Mit einem Vorschlaghammer und einer Spaltaxt zertrümmerten sie Panzerglasscheiben, wenn es nötig war. Dann bedrohten sie Angestellte und Kunden und räumten die Tresore leer.

Es sollte keine Verletzten geben

Zum Prozessauftakt legten die beiden älteren Angeklagten ein umfassendes Geständnis ab. Der dritte schwieg. Einer der gesprächigen Angeklagten, der bereits 40 Jahre seines Lebens im Gefängnis verbrachte, gab freimütig zu: "Unser Bestreben war, Schrecken zu verbreiten". Dabei sei vorher abgesprochen gewesen, dass nicht geschossen werde. Auch sollte es keine Verletzten geben.

Wurde es eng, wurden die Täter jedoch auch handgreiflich. Einer Angestellten verdrehten sie den Arm. Einem Kassierer drückte der 73-Jährige den MP-Lauf in die Rippen. Ein anderer Angestellter bekam einen Schlag auf den Hinterkopf, als er nicht sofort den Tresor öffnen wollte. Bei einem Überfall im niedersächsischen Bad Pyrmont hatte eine Frau einen Schock erlitten und geschrien. "Das war das einzige Mal, wo mir jemand Leid getan hat", sagte der 73-Jährige.

Welche Bank als nächstes überfallen werden sollte, hätten der 73-Jährige und der 64-Jährige aus Iserlohn ausbaldowert, so der Leiter der Sonderkommission "Opa", Kriminaloberkommissar Michael Kern. Die beiden hätten das älteste Bandenmitglied dann von dessen Motorenwerkstatt in Iserlohn abgeholt. "Rudi ist in seinem Arbeitsanzug eingestiegen und dann ging´s ab zum Raubüberfall", schilderte der 73-Jährige das Vorgehen. "Er hat was Soldatisches an sich. Er hat immer darauf bestanden, als erster reinzugehen - als Sturmspitze."

"Dauernd musste er pinkeln"

Die gesundheitliche Verfassung des Ältesten habe ihm jedoch auch Sorgen gemacht, sagte der mitteilsame Angeklagte weiter aus. "Er war körperlich angeschlagen." In seiner Werkstatt habe er Schwierigkeiten gehabt, Treppen zu steigen. Nach einem Überfall auf eine Bank in Löhne im Januar 2003, bei dem der 74-Jährige eine Handgranaten-Attrappe um den Hals trug, rutschte er bei der Flucht vor der Bank auf einer Eisfläche aus. Nur mit Mühe hätten sie ihn in den Fluchtwagen ziehen können. Auch sonst hätte der Älteste Probleme gehabt. "Dauernd mussten wir anhalten, damit er pinkeln konnte", sagte er und erntete nicht zum einzigen Mal ein Schmunzeln der Zuschauer und des Gerichts.

Warum er in seinem Alter noch Banken überfallen habe? "Haupttriebkraft aller meiner Schandtaten war Angst", sagte der Dortmunder. Er bekomme keine Rente und habe nicht in ein Altersheim gewollt. Mit seinem Anteil an der Beute kaufte er einen Hof bei Bielefeld.

"Ich bin ein Idiot gewesen, ich hätte es nicht nötig gehabt", meinte sein ein Jahr älterer Komplize aus Iserlohn. Angefangen habe er mit den Überfällen wegen eines angeblichen Fehlurteils. 1969 sei er wegen eines angeblichen Banküberfalls vier Jahre unschuldig ins Gefängnis gekommen. Anschließend habe er gedacht: "Jetzt hole ich mir meine Wiedergutmachung." Insgesamt hat der 74-Jährige bereits 14 Jahre im Gefängnis verbracht.

Helge Toben/DPA DPA

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