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Oppenau im Schwarzwald Polizei warnt vor flüchtigem Yves R.: "Der Wald ist sein Wohnzimmer"

Oppenau: Polizei-Statement zum flüchtigen Yves Rausch aus Oppenau
"Wir haben einen langen Atem", sagte der Offenburger Polizeipräsident Reinhard Renter in Richtung des flüchtigen Yves Rausch
© Philipp von Ditfurth / DPA
Am Sonntag entwaffnete der 31-jährige Yves R. vier Polizeibeamte, die ihn kontrollieren wollten. Seither ist der vorbestrafte Deutsche auf der Flucht – und könnte dies aufgrund seiner guten Ortskenntnis laut Polizei auch länger bleiben.

Seit mehr als 48 Stunden hält der 31-jährige Yves R. die Polizei in der Region um Oppenau im Schwarzwald in Atem. Der vorbestrafte Mann ohne Wohnsitz war am Sonntag im Zuge einer Polizeikontrolle in den Wald geflohen. Zuvor hatte er vier Beamte, die ihn in einer Hütte am Waldrand aufgesucht hatten, nach anfänglicher Kooperation unvermittelt mit gezückter Waffe bedroht und ihnen die Dienstwaffen abgenommen. Seither ist R. trotz großangelegter Suche wie vom Erdboden verschluckt. Am Dienstagnachmittag informierten Polizei und Staatsanwaltschaft über den aktuellen Ermittlungsstand – und mussten einräumen, dass die Suche nach R. noch länger dauern könnte.

So sei der 31-Jährige nicht nur ortskundig, auch habe er zuletzt längere Zeit im Wald gelebt, was die Suche nach ihm erschwere, erklärte der Offenburger Polizeipräsident Reinhard Renter. "Der Wald ist schlicht sein Wohnzimmer." Zuvor hatte bereits Oberstaatsanwalt Herwig Schäfer erläutert, der als "Waffennarr" einzustufende R. sehe sich als "eine Art Waldläufer", der sich gut in der Natur auskenne und dort allein zurecht komme.

Polizei vermutet Yves R. noch in der Region um Oppenau

Nachdem am Montag bis zu 440 Beamte, darunter Spezialkräfte, das unwegsame und steile Waldgelände im Ortenaukreis umstellt und durchsucht hätten, werde man den "Wald nicht mehr durchkämmen", so Renter. Dies sei nicht sinnvoll, weil man das dann jeden Tag machen müsse. Stattdessen setze die Polizei jetzt auf andere offene und verdeckte Fahndungsmethoden. So wurde in der Nacht auf Dienstag ein Objekt in Offenburg durchsucht – jedoch ohne Erfolg. Aktuell sind Renters Angaben zufolge rund 200 Polizisten im Einsatz. Man gehe davon aus, dass sich der Gesuchte, der mit nationalem und europäischem Haftbefehl gesucht wird, immer noch in der Region um Oppenau aufhält. Ihm wird besonders schwere räuberische Erpressung vorgeworfen.

Umso mehr Erkenntnisse liegen den Ermittlern zu Yves R. selbst vor. Demnach ist er 31 Jahre alt und deutscher Staatsbürger. Im Herbst letzten Jahres habe er seine Wohnung in Oppenau verloren und sei seitdem Wohnungslos gewesen. Er sei zudem arbeitslos, sagte Oberstaatsanwalt Schäfer. Schon in jungen Jahren sei R. strafrechtlich in Erscheinung getreten, mit Diebstählen aber immer wieder auch Verstößen gegen das Waffengesetz. Demnach wurde R. wegen unerlaubten Umgangs mit Spreng- und Waffenmitteln zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten verurteilt. Im Alter von 20 Jahren sei er im Oktober 2010 wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden, die er auch komplett abgesessen habe. Er habe damals eine Frau mit einer Armbrust schwer verletzt. Ihm wurde in der Folge verboten, Waffen und Munition zu besitzen.

R. ist Oberstaatsanwalt Schäfer zufolge als "Waffennarr" einzustufen, sei aber nie Mitglied eines Schützenvereins gewesen. Hinweise, wonach der 31-Jährige dem rechtsradikalen Spektrum oder der Reichsbürgerszene zuzuordnen sei, hätten sich bislang nicht ergeben. "Wir wissen nicht, was den Schuldigen bewogen hat, so zu handeln", führte Schäfer aus.

Polizeipräsident: Beamte haben "alles richtig gemacht"

Zu Beginn der Pressekonferenz hatte Schäfer ausführlich den Einsatz am Sonntagmorgen aus Sicht der beteiligten Beamten beschrieben. Demnach war die Polizei vom Besitzer einer Gartenhütte informiert worden, dass sich dort ein bewaffneter Mann unerlaubt aufhalte. Der Beschuldigte war wohl in die Hütte eingebrochen und hatte sich dort häuslich niedergelassen.

Als die Beamten dort eingetroffen seien, habe sich R. zunächst kooperativ verhalten. Dann habe er sich jedoch einer Durchsuchung wiedersetzt und plötzlich eine vorher nicht sichtbare Pistole gezogen und diese auf einen der Polizeibeamten gerichtet. Unter Vorhalt der Pistole habe er die anderen Beamten aufgefordert, ihre Dienstwaffen niederzulegen. Das hätten die Beamten getan. R. habe die Waffen an sich genommen und sei in den Wald geflohen. Die Polizisten hätten ausgesagt, dass sie "Angst um ihr Leben hatten", so Polizeipräsident Renter, der sich hinter seine Mitarbeiter stellte. Die Beamten hätten "alles richtig gemacht", sagte Renter. "Das höchste Gut ist unser Leben." Die Lage sei zumindest für einen Kollegen lebensbedrohlich gewesen und nur durch das besonnene Verhalten der Polizisten habe es keine Verletzten gegeben.

Bevölkerung soll R. auf keinen Fall ansprechen

Umso verärgerte zeigte sich der Polizeichef über Kommentare in den sozialen Medien, in denen sich Nutzer über die Polizisten lustig gemacht hatten. "Ich verurteile das aufs Schärfste." Niemand könne sich in eine solche Situation hineinversetzen. Der bedrohte Polizist habe nach eigener Aussage jederzeit damit gerechnet, dass er "in dieser Hütte sterben könnte".

Auf Nachfrage eines Journalisten, was er der Bevölkerung in der Region rate, erklärte der Polizeipräsident: Wer Yves R. antreffe, solle keinerlei Aktionen durchführen und ihn nicht ansprechen, sondern sofort die Polizei informieren. Bei der entsprechenden Präsenz der Einsatzkräfte seien diese innerhalb von ein bis zwei Minuten vor Ort.

Auch für R. hielt Renter eine Botschaft bereit. Man werde nicht nachlassen, machte er deutlich. "Wir haben einen langen Atem."

mod / mit DPA

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