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Osama bin Laden Al Kaida bestätigt Tod und droht den USA


Auf islamistischen Internetseiten hat al Kaida den Tod von Osama bin Laden bestätigt und den USA mit Angriffen gedroht. Noch immer kursieren unterschiedliche Versionen von bin Ladens Ende.

Wenige Tage nach der US-Operation gegen al-Kaida-Chef Osama bin Laden hat das Terrornetzwerk den Tod seines Führers erstmals bestätigt. Gleichzeitig kündigte al Kaida Vergeltung an. In einer Erklärung, die in mehreren islamistischen Internet-Foren auftauchte, wird bin Laden als Märtyrer gefeiert und mit Attacken gegen die USA gedroht. An das pakistanische Volk ergeht der Aufruf, "sich zu erheben und zu revoltieren", wie die auf Terrorabwehr spezialisierte Internetseite SITE und US-Medien aus der Botschaft zitieren.

"Der den Koran mit Kraft in die Welt trug"

"Du hast huldvoll gelebt und bist als Märtyrer gestorben", heißt es demnach nach ersten Übersetzungen in dem Text. "Scheich Osama bin Laden - Gott möge ihn segnen - ist kein Prophet des 20. Jahrhunderts, sondern ein Mann islamischen Glaubens aus der gesegneten Gemeinschaft der Muslime, der den Koran mit Kraft in die Welt trug und das diesseitige Leben gegen das Jenseits eintauschte."

Bin Ladens Tod werde als "Fluch" dienen, "der die Amerikaner und ihre Agenten verfolgt, innerhalb und außerhalb ihrer Länder", zitiert der Sender CNN. Und weiter: "Bald, mit der Hilfe von Allah, wird ihr Glück sich in Trauer umwandeln, und ihr Blut wird sich mit ihren Tränen mischen". Al Kaida kündigt an, dass sie den "Heiligen Krieg" fortsetzen werde, "auf dem Pfad, den unsere Führer ohne Zögern gegangen sind", allen voran bin Laden. Die Amerikaner würden sich "niemals der Sicherheit erfreuen, bis sich unser Volk in Palästina ihrer erfreut".

Proteste in Pakistan

Die pakistanische Bevölkerung rief al Kaida zum Aufstand gegen die eigene Regierung auf, die Schande über die Nation gebracht habe. Auf den Straßen Pakistans wurde gegen das Kommandounternehmen der Navy Seals protestiert, bei dem bin Laden in der Nacht zum Montag getötet worden war. In Quetta skandierten rund 1500 Menschen "Nieder mit Amerika" und verbrannten US-Flaggen. "Der Heilige Krieg gegen Amerika wird nicht gestoppt werden durch den Tod von Osama", sagte ein Geistlicher.

Auch in anderen Städten kam es zu antiamerikanischen Kundgebungen, zu denen unter anderem die größte islamistische Partei des Landes, Jamaat-e-Islami, aufgerufen hatte. "Die militärischen und politischen Führer sollten sofort zurücktreten, denn sie haben nicht für die Unverletzbarkeit des Landes gesorgt", forderte einer der Spitzenfunktionäre von Jamaat-e-Islami bei einer Kundgebung in Lahore. In Abbottabad, wo bin Laden erschossen wurde, liefen Dutzende Islamisten durch die Straßen und verlangten den Abzug der USA aus Pakistan und Afghanistan.

Nahrung für Verschwörungstheorien

Die Leiche bin Ladens war nach US-Angaben bereits im Meer bestattet, als Präsident Barack Obama den Tod in einer Fernsehansprache verkündete. Der Washingtoner Regierung zufolge wurde bin Laden einwandfrei identifiziert. Aber Obama entschloss sich, keine Fotos von der Leiche zu veröffentlichen, da sie grausig seien und anti-amerikanische Stimmung anheizen könnten. Das hatte Verschwörungstheorien Nahrung gegeben.

Auch immer neue offizielle Darstellungen über den Ablauf der Aktion gegen bin Laden haben in den vergangenen Tagen für Verwirrung gesorgt. So hatte es anfangs geheißen, der Einsatz sei eine "Kill Mission", gewesen, eine gezielte Liquidation. Tags darauf erklärte das Weiße Haus, das US-Team habe das Anwesen in Abbottabad gestürmt, um bin Laden gefangenzunehmen oder zu töten. Der unbewaffnete al-Kaida-Chef habe sich der Gefangennahme widersetzt, das Team habe während der gesamten Operation in Feuergefechten gestanden. Zuletzt hatte CIA-Direktor Leon Panetta gesagt, bin Laden habe einige "bedrohliche Bewegungen" gemacht, "und das ist der Grund, warum sie feuerten". Das US-Team sei gehalten gewesen, bin Laden gefangen zu nehmen, wenn er "seine Hände hoch genommen, sich ergeben und anscheinend keine Art von Bedrohung dargestellt" hätte.

USA sollen Faken veröffentlichen

Eine der Witwen bin Ladens erklärte nach Angaben eines pakistanischen Sicherheitsoffiziers, die Familie habe seit fünf Jahren in dem Anwesen in der Garnisonsstadt gelebt. Der Offizier bekräftigte frühere, US-Darstellungen widersprechende Äußerungen, weder bin Laden noch seine Gefährten hätten sich gewehrt.

In Genf riefen UN-Menschenrechtler die USA dazu auf, alle Fakten im Zusammenhang mit der Aktion gegen al Kaida zu veröffentlichen.

tkr/AFP/Reuters/DPA DPA Reuters

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