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Mordprozess: Bruder von Oscar Pistorius soll Beweise vernichtet haben

Während der verurteilte Ex-Paralympics-Star Oscar Pistorius auf sein Strafmaß wartet, werden Vorwürfe gegen dessen Bruder laut. Carl Pistorius soll für den Prozess relevante Beweise vernichtet haben.

Der Bruder des in Südafrika wegen fahrlässiger Tötung verurteilten früheren Sprintstars Oscar Pistorius soll einem Medienbericht zufolge für die Ermittlungen relevante Beweise vernichtet haben. Carl Pistorius habe nach Überzeugung der Ermittler seinen Computer mit dem iPhone seines zwei Jahre jüngeren Bruders synchronisiert, um die Anrufliste zu löschen, berichtete der südafrikanische Radiosender Eyewitness News (EWN) am Donnerstag. Zudem habe er sämtliche Nachrichten entfernt, die über den Dienst Whatsapp versandt und empfangen worden seien. Der Sender beruft sich auf Informationen, die die Gerichtsreporter Barry Bateman und Mandy Wiener in ihrem Buch "Behind The Door" veröffentlicht haben.

Die Polizei habe die Hilfe des iPhone-Herstellers Apple in den USA anfordern müssen, um die Historie des Telefons zu rekonstruieren, hieß es in dem Bericht weiter. Es sei erwogen worden, den 29-jährigen Carl Pistorius ebenfalls anzuklagen, schließlich habe die Polizei aber darauf verzichtet.

Familie weist Vorwürfe zurück

Die Familie Pistorius erklärte, sie habe keine Kenntnis davon, dass "irgendetwas von Oscar oder auf seine Veranlassung hin (an Beweisen) zerstört wurde, das für den Prozess relevant gewesen wäre oder dessen Ablauf behindert hätte". Zudem verwies die Familie darauf, dass das Gericht schließlich alle Gespräche und Nachrichten habe prüfen können, die Oscar Pistorius mit Telefon, Tablet-Computer und Computer geführt und verfasst habe. Letztlich hätten diese "keinerlei Rolle in der Affäre gespielt, wie das Gericht befunden hat", betonten die Angehörigen des Verurteilten.

Der an den Unterschenkeln amputierte frühere Sprintstar hatte seine Lebensgefährtin Reeva Steenkamp im Februar vergangenen Jahres erschossen, weil er sie nach eigenen Angaben mit einem Einbrecher verwechselt hatte. Eine Tötungsabsicht bestritt der Ausnahmesportler. Am Ende eines Aufsehen erregenden Prozesses sprach Richterin Thokozile Masipa den Angeklagten der fahrlässigen Tötung schuldig, nicht aber des Mordes. Das Strafmaß soll am 13. Oktober verkündet werden.

dho/DPA/AFP / DPA