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Buch belastet Ex-Sportstar Hat Oscar Pistorius seine Freundin vor den Schüssen geschlagen?

Oscar Pistorius im Oktober 2014 vor Gericht
Das endgültige Urteil gegen Oscar Pistorius wird im Juni erwartet
© DDP
Oscar Pistorius beteuerte, die tödlichen Schüsse auf seine Freundin Reeva Steenkamp aus Versehen abgegeben zu haben. Doch zwei Brüder haben Zweifel. Ihrer Meinung nach ist der Ex-Sportstar vorher mit einem Cricketschläger auf sie losgegangen.

Er heulte vor Gericht, musste sich sogar übergeben. Oscar Pistorius nahm der Prozess, der ihm wegen Mordes an seiner Freundin Reeva Steenkamp gemacht wurde, sichtlich mit. So hatte es zumindest den Anschein. Immer wieder beteuerte der Ex-Sportstar, seine Freundin aus Versehen erschossen zu haben, weil er sie für einen Einbrecher hielt. Doch zwei Autoren haben an der Geschichte ihre Zweifel. In ihrem Buch "Oscar vs The Truth“ ("Oscar gegen die Wahrheit"), erörtern die beiden Amateur-Forensiker Calvin und Thomas Mollett, die bereits mehrere Bücher über Kriminalfälle geschrieben haben, die Frage: Wusste Oscar, dass Reeva hinter der Tür war?

Wie die südafrikanische "Daily Maverick" berichtet, behaupten die Brüder in ihrem Buch, die Polizei hätte bei der Beweissicherung schlampig gearbeitet. "Man bekommt den Eindruck, dass für die Polizisten der Fall sofort klar war. Sie wussten, er hatte den Abzug gedrückt und sie hatten die Aussagen der Nachbarn, die eine Frau schreien gehört haben", zitiert die Zeitung die Brüder. "Warum sich also noch die Mühe einer angemessenen gerichtsmedizinischen Untersuchung machen?"

Oscar Pistorius soll mit Reeva gestritten haben

Doch auch der Gerichtsmedizin machen sie Vorwürfe. Ihrer Meinung nach wurden entscheidende Verletzungen übersehen. So habe Steenkamp weitere Verletzungen am Rücken, Quetschungen an der Brustwarze und andere blaue Flecken gehabt, das alles könne auf einen hitzigen Kampf hindeuten.

Oscar Pistorius mit seiner Freundin Reeva Steenkamp
Oscar Pistorius mit seiner Freundin Reeva Steenkamp
© Picture Alliance

Eine Rolle spielt dabei auch der Cricketschläger, den Oscar laut eigener Aussage dazu benutzte, die Toilettentür einzuschlagen. Laut der Brüder würden zwei Wunden auf Steenkamps Rücken genau zu dem Schläger passen und sein Zustand (das Gummi am Griff war teilweise abgerissen) dafür sprechen, dass er für mehr als nur drei, vier Schläge auf die Tür genutzt wurde. Die Brüder glauben vielmehr, es hätte ein Handgemenge gegeben. Es habe den Anschein, als hätte eine Person versucht, einer anderen den Schläger zu entreißen. Steenkamp hätte sich schließlich aus Angst vor Pistorius in der Toilette eingeschlossen.

Pistorius hatte immer bestritten, dass er und Steenkamp sich am Valentintstag 2013 gestritten hätten. Nach Auswertung aller Fotos, Dokumente und Zeugenaussagen kommen die beiden Autoren zu dem Schluss, dass Pistorius genau wusste, dass Reeva hinter der Tür war.

Urteil soll im Juni fallen

Pistorius wurde in erster Instanz im Oktober 2014 wegen fahrlässiger Tötung seiner Freundin zu fünf Jahren Haft verurteilt, jedoch nach knapp einem Jahr wegen guter Führung in den Hausarrest entlassen. Im Dezember kam ein Berufungsgericht zu dem Urteil, dass Pistorius mit "krimineller Absicht" gehandelt habe, und sprach ihn des Mordes schuldig. Der Sportler legte Beschwerde ein, doch das Verfassungsgericht wies diese im März zurück. Jetzt drohen ihm mindestens 15 Jahre Haft. Das Strafmaß soll im Juni verkündet werden. Derzeit lebt der 29-Jährige bei seinem Onkel im Hausarrest.


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