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Pistorius-Prozess: Staatsanwalt fordert zehn Jahre Haft - mindestens

Am Dienstag wird das Strafmaß für Sprintstar Oscar Pistorius verkündet. Die Staatsanwaltschaft fordert zehn Jahre Haft - mindestens. Anderenfalls könne sich das negativ auf die Gesellschaft auswirken.

Welches Strafmaß erwartet Sprintstar Oscar Pistorius? Richterin Thokozile Masipa will am Dienstag das Strafmaß verkünden. Das teilte sie mit, nachdem Anklage und Verteidigung am Freitag im Obersten Gericht in Pretoria ihre Schlussplädoyers gehalten haben. Die Staatsanwaltschaft fordert eine lange Haftstrafe für den wegen fahrlässiger Tötung seiner Freundin verurteilten Paralympics-Star. "Zehn Jahre sind das Minimum", sagte Chefankläger Gerrie Nel. Die südafrikanische Gesellschaft erwarte eine harte Strafe.

Nach Auffassung des Verteidigers soll Pistorius dagegen mit gemeinnütziger Arbeit für die tödlichen Schüsse auf seine Freundin Reeva Steenkamp bestraft werden. Der 27-Jährige bedaure seine Tat zutiefst, werde sein Leben lang mit dem Trauma leben müssen und habe nur noch einen Wunsch: "So viel Gutes zu tun wie möglich", sagte Anwalt Barry Roux in seinem eineinhalbstündigen Plädoyer zum Strafmaß.

Die Forderung, Pistorius lediglich unter Hausarrest zu stellen und ihm gemeinnützige Arbeit aufzuerlegen, wies der Staatsanwalt scharf zurück. Die Vorstellung, dass Pistorius dann im der Luxusvilla seines Onkels wohnen und erneut als Profisportler viel Geld verdienen könnte, nannte Nel angesichts des Leids der Opfer-Familie "schockierend". Die Tötung eines Menschen sei auch dann ein schlimme Tat, wenn sie fahrlässig erfolgt, erklärte Nel.

Urteil hat Folgen für ganz Südafrika

Richterin Thokozile Masipa hatte den 27-Jährigen bereits im September für schuldig befunden. Für die fahrlässige Tötung seiner Freund könnten ihn bis zu 15 Jahre Haft erwarten - aber auch nur ein weit kürzerer Hausarrest. Pistorius hatte die 29-Jährige in der Nacht zum 14. Februar 2013 durch eine geschlossene Toilettentür in seiner Villa nahe Pretoria erschossen.

Der Sportstar beteuert, die Person hinter der Tür für einen Einbrecher gehalten zu haben. Die Richterin hatte dies akzeptiert und die Anklage wegen Mordes aus Mangel an Beweisen zurückgewiesen. Für Mord hätte Pistorius obligatorisch eine lebenslange Haftstrafe bekommen - in der südafrikanischen Rechtspraxis 25 Jahre.

Der Staatsanwalt erklärte jetzt, wenn das Gericht den Angeklagten nicht so bestrafe, wie die Öffentlichkeit dies zu Recht erwarte, könne dies negative Rückwirkungen auf die gesamte Gesellschaft haben. Bei der Bestimmung des Strafmaßes müsse das Leid der Familie des Opfers stärker berücksichtigt werden, als die Gefühle und die Behinderung von Pistorius. "Die Familie wird den Verlust niemals verwinden."

"Er hat alles verloren"

Zuvor hatte Verteidiger Barry Roux dringend von einer Gefängnisstrafe für Pistorius abgeraten. Der Behindertensportler habe echte und tiefe Reue gezeigt, und er leide zutiefst darunter, dass er in tragischen Umständen versehentlich seine Freundin erschossen habe. Pistorius, der wieder in einem dunklen Anzug und mit einem schwarzen Trauerschlips erschienen war, brach während des Plädoyers zum wiederholten Mal in Tränen aus.

Pistorius sei ein gebrochenen Mann, erklärte Roux am vierten Tag der Strafmaß-Anhörungen. "Er hat alles verloren", sagte Roux. "Er hat einen Menschen verloren, den er liebte, seine Selbstachtung, die meisten seiner Freunde, all sein Geld." Direkt an die Richterin gewandt, fragte der Anwalt: "Ist das ein Mensch, den sie aus der Gesellschaft entfernen müssen? Wir sagen: Nein."

Der 27-Jährige sei von den Medien als "kaltblütiger Mörder" und verantwortungsloser Hitzkopf hingestellt worden. Ausdrücklich berief sich Roux auf das südafrikanische Prinzip "Ubuntu" - Menschlichkeit - das vor allem nach dem Ende der Apartheid als einer der Grundpfeiler des "neuen Südafrikas" gilt.

kis/DPA/AFP / DPA