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Urteil in Südafrika: Oscar Pistorius muss fünf Jahre ins Gefängnis

Er erschoss seine Freundin Reeva Steenkamp 2013 durch eine geschlossene Toilettentür: Ex-Sprintstar Oscar Pistorius wurde dafür heute zu fünf Jahren Haft verurteilt. Steenkamps Familie ist froh.

Wegen der fahrlässigen Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp ist Südafrikas Paralympics-Star Oscar Pistorius zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden. Richterin Thokozile Masipa verkündete das Strafmaß am Dienstag in Pretoria. Außerdem verurteilte sie Pistorius zu drei Jahren Haft wegen rücksichtsloser Benutzung einer Waffe. Dieser Teil der Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Die Haftstrafe für Pistorius könnte bei guter Führung bereits nach zehn Monaten in Hausarrest umgewandelt werden, erklärten südafrikanische Justizexperten.

Pistorius folgte ruhig der mehr als einstündigen Verlesung. Nach dem Urteilsspruch wischte er sich Tränen aus dem Gesicht. Während des monatelangen Prozesses war Pistorius immer wieder zusammengebrochen. Nach Ende der Strafmaßverkündung bekam er Gelegenheit, sich von seiner Familie zu verabschieden. Dann wurde er sofort ins Gefängnis gebracht. Seine Strafe soll er nach Mitteilung des Gerichts im Zentralgefängnis von Pretoria verbüßen.

In einer ersten Reaktion begrüßte Steenkamps Familie das Urteil. Er sei "sehr froh", dass der Prozess nach sieben Monaten endlich vorüber sei, sagte der Vater des toten Models, Barry Steenkamp. Ein Anwalt sagte, die Familie sei "zufrieden".

Beide Seiten können gegen die Entscheidung noch Berufung einlegen. Sie haben dafür bis zu zwei Wochen Zeit. Weder Verteidigung noch Staatsanwaltschaft kündigten dies jedoch bislang an. Ein Berufungsverfahren würde die Vollstreckung der Gefängnissrafe bis zur Entscheidung durch das Oberste Gericht Südafrikas aussetzen.

Richterin Thokozile Masipa hatte zunächst ihre juristischen Erwägungen bei der Bestimmung der Strafe erläutert, die der Behindertensportler für die fahrlässige Tötung seiner Freundin Reeva Steenkamp bekommt.

Die Ermittlung des Strafmaßes sei keine "einfache Sache" gewesen. Nicht nur das Handeln von Pistorius bei der fahrlässigen Erschießung seiner Freundin Reeva Steenkamp vor rund 20 Monaten sei zu beurteilen gewesen. Weitere Gesichtspunkte spielten eine Rolle, sagte sie.

So sei auch das Interesse der Öffentlichkeit an einer angemessenen Strafe zu berücksichtigen gewesen, sagte Masipa vor dem Obersten Gericht in Pretoria. Die Entscheidung über das Strafmaß habe bei ihr gelegen und sei von ihr allein getroffen worden, fügte sie hinzu. Die Richterin führte zudem mehrere frühere Gerichtsverfahren und Urteile an, die von ihr zum Vergleich herangezogen worden seien. Sie warf Pistorius "grobe Fahlässigkeit" vor - er habe wissen müssen, dass die Person hinter der geschlossenen Toilettentür nicht entkommen konnte. Eine "perfekte Strafzumessung" gebe es nicht, vielmehr gehe es darum, den richtigen Ausgleich zu finden zwischen Vergeltung für die Tat, Berücksichtigung der Umstände und des Profils des Täters sowie dem besten Weg zu einer Resozialisierung.

Masipa erklärte, auch Behinderte könnten eine Gefängnisstrafe absolvieren. "Ja, der Angeklagte ist verletzlich, aber er hat exzellente Fähigkeiten damit umzugehen", sagte sie unter Anspielung auf seine außergewöhnliche Karriere als Leichtathlet. Sie fügte hinzu, dass es schlecht für die Gerechtigkeit in Südafrika wäre, wenn der Eindruck entstünde, dass Reiche und Berühmte vor Gericht besser behandelt werden als Arme.

Verteidigung forderte Hausarrest

Vor rund einem Monat hatte Masipa den 27-Jährigen der fahrlässigen Tötung schuldig gesprochen, die Strafe legte sie damals aber noch nicht fest.

Der Sprinter hatte das 29-jährige Model in der Nacht zum Valentinstag 2013 erschossen und erklärt, sie mit einem Einbrecher verwechselt zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte die Richterin aufgefordert, Pistorius für mindestens zehn Jahre ins Gefängnis zu schicken. Die Verteidigung machte mildernde Umstände geltend und bat, Pistorius das Gefängnis zu ersparen und ihm stattdessen Hausarrest sowie gemeinnützige Arbeit aufzuerlegen.

Bei sonnigem Wetter demonstrierten sowohl zahlreiche Befürworter als auch Anhänger einer Haftstrafe vor dem Gerichtsgebäude.

mia/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters