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Ostfriesland: Vermisste Millionärin vermutlich tot - aber wo ist die Leiche?

Eine vermisste Millionärin aus Ostfriesland ist vermutlich einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Ein Verdächtiger gibt zu, ihre Leiche versteckt zu haben. Mehr nicht. Die Tote bleibt verschwunden. Der Fall ist rätselhaft.

Leer Millionärin Ostfriesland

Die Villa der vermissten Millionärin im ostfriesischen Leer

Mit einer Leiche im Auto ist ein Mann aus Ostfriesland quer durch Norddeutschland gefahren. Irgendwo an der Autobahn 1 zwischen Bremen und Hamburg legt er die Tote unter Reisig ab, fährt weiter nach Hamburg und parkt den Wagen dort ordnungsgemäß ein. Viel mehr erfährt die Öffentlichkeit bisher nicht über den verhafteten 55-Jährigen. Er wird dringend verdächtigt, eine 66 Jahre alte Frau getötet zu haben. Die Millionärin aus Leer in Ostfriesland wird seit Ende Oktober vermisst.

"Der Mann hat nur den Transport der Leiche gestanden", sagt Polizeichef Johannes Lind am Montag in Leer. Dort ist die Mordkommission inzwischen fest davon überzeugt, dass die wohlhabende Frau einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist.

Spuren eines Verbrechens und Blut des Opfers

Hinweise darauf gibt es offensichtlich genug: In einem Café in Bingum, das die Galeristin bis zu ihrem Verschwinden betrieb, hat die Polizei Spuren eines Verbrechens und Blut des Opfers gefunden.
Hinweise finden sich auch im Auto des Opfers, einem auffälligen und kostspieligen Wagen der Marke Jaguar. Das Landeskriminalamt habe den Wagen "von links auf rechts gedreht", sagt Oberstaatsanwältin Katja Paulke.

Der Verdächtige hat das Fahrzeug vor dem Haus in Hamburg abgestellt, in dem die vermisste Frau eine Wohnung besitzt. Der gebürtige Bochumer soll früher in Ludwigshafen, in Emden und in Hotels in Leer gewohnt haben. Zuletzt zog er in eine Wohnung in der Villa des Opfers ein - ob es zu einem Verhältnis mit der Frau kam, lässt die Polizei offen. Damit bleibt auch ein Motiv unklar.

Und wie erklärt der Verhaftete selbst die Umstände am Tatort und im Auto? "Den Transport der Toten hat er eingeräumt, zur Tötung oder anderen Umständen macht er jedoch keine Angaben", sagt der Leiter der Mordkommission "Villa", Werner Brandt. Ein Mordfall ohne Leiche ist aber problematisch für die Ermittler, solange der Verdächtige schweigt.

Ostfriesland: Öffentlichkeit soll bei Aufklärung helfen

Nun soll die Öffentlichkeit bei der weiteren Aufklärung helfen: Welcher Zeuge erinnert sich an den Jaguar, wer hat den Wagen vor fast drei Wochen auf oder in der Nähe der Autobahn 1 gesehen? Bislang haben die Ermittler mehrere Schauplätze in Ostfriesland erfolglos abgesucht und dabei auch Spürhunde, ein Sonarboot an der Ems und eine Kameradrohne eingesetzt.

Polizeichef Lind hofft auf neue Erkenntnisse bei Suchaktionen an der Autobahn. Er rechnet jedoch mit dem Schlimmsten: "Wir gehen davon aus, dass die Frau tot ist." 

Hans-Christian Wöste / DPA