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Ottfried Fischer gewinnt Prostituierten-Prozess: Gericht verurteilt Ex-"Bild"-Reporter wegen Nötigung

Die Geschichte klingt wie aus einer schlechten Gerichtsshow: Mehrere Personen haben den Schauspieler Ottfried Fischer im Sommer 2009 beim Sex gefilmt und das Video an einen Reporter der "Bild"-Zeitung verkauft. Das Gericht sah die Grenze des legalen Journalismus überschritten und verhängte Geldstrafen.

Im Prozess um Nötigung und Verletzung der Privatsphäre von Schauspieler Ottfried Fischer sind alle fünf Angeklagten zu Geldstrafen verurteilt worden. Das Amtsgericht München befand die drei Männer und zwei Frauen am Montag der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs Fischers durch Bildaufnahmen für schuldig. Der angeklagte ehemalige "Bild"-Redakteur wurde darüber hinaus wegen Nötigung verurteilt. Er muss mit 14.400 Euro die höchste Geldstrafe der fünf Angeklagten zahlen (180 Tagessätze à 80 Euro).

Die Staatsanwaltschaft hatte mehreren Personen vorgeworfen, den "Bullen von Tölz" im Sommer 2009 beim Geschlechtsverkehr gefilmt und ihn anschließend mit den Aufnahmen unter Druck gesetzt zu haben.

Mit diesem Video habe sich einer der Männer im September 2009 an den Redakteur der "Bild"-Zeitung gewandt und es ihm verkauft. Durch den Verweis auf den Film habe der 29 Jahre alte Journalist Fischer daraufhin zur Zusammenarbeit mit ihm und seiner Zeitung gebracht, unter anderem zu einem Interview, in dem Fischer umfangreich Auskunft über sein Verhältnis zu den Frauen gab.

Der Journalist sagte dagegen aus, er habe Fischer nicht mit einem Sex-Video zur Zusammenarbeit genötigt, vielmehr seien das Gespräch und die Artikel zu Fischers Kontakten mit Prostituierten auf Initiative der Agentin des Schauspielers zustande gekommen. Ein Sprecher der Axel Springer AG nannte das Urteil gegen den Ex-"Bild"-Redakteur "falsch und für Journalisten und Verlage absolut nicht hinnehmbar. Ein Freispruch wäre die einzig richtige Entscheidung gewesen." Das Urteil setze jede journalistische Recherche der Gefahr aus, kriminalisiert zu werden, erklärte der Sprecher.

DPA/APN / DPA