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Ottfried Fischer und der Prostituierten-Prozess: Sex, Lügen und Video

Im Prozess um die Prostituierten-Affäre von Ottfried Fischer müssen die Angeklagten mit Geldstrafen rechnen. Ein mitangeklagter Ex- "Bild"- Mitarbeiter soll den Schauspieler mit einem Sex-Video unter Druck gesetzt haben. Er wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Seine Krankheit hat ihn gezeichnet. Der an Parkinson erkrankte Schauspieler Ottfried Fischer sitzt regungslos als Nebenkläger im Prozess um seine Prostituierten-Affäre vor dem Amtsgericht München. Keine Regung in seinem Gesicht verrät, wie er sich fühlt. Nur seine Augen fixieren die Angeklagten, huschen aufmerksam durch den Gerichtssaal. "Er geht einen schweren Weg, den er gehen muss, aber er geht in gerne und zuversichtlich", sagte Fischers Anwalt Steffen Ufer vor Prozessbeginn am Montagmorgen.

Zwei Männer und zwei Frauen sind angeklagt, den 56-Jährigen im Sommer 2009 heimlich beim Sex mit Prostituierten in seiner Münchner Wohnung gefilmt zu haben. Der 36 Jahre alte Hauptbeschuldigte soll eine CD mit den Aufnahmen anschließend für 3500 Euro an einen ehemaligen Mitarbeiter der "Bild"-Zeitung verkauft haben. Dieser soll den Kabarettisten mit dem Material unter Druck gesetzt und zur Mitwirkung an drei Artikeln des Blattes bewegt haben, zu der er laut Staatsanwaltschaft "unter normalen Umständen nicht bereit gewesen" wäre.

Der Ex-"Bild"Mitarbeiter ist wie die anderen vier Beschuldigten angeklagt, den "höchstpersönlichen Lebensbereich" Fischers mit Bildaufnahmen verletzt zu haben. Dem Journalisten wird außerdem Nötigung vorgeworfen, dieser Tatbestand kann mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden. Ein Urteil könnte noch im Laufe des Tages fallen.

Nach der Verlesung der Anklage war die Verhandlung am Vormittag zunächst für ein Rechtsgespräch zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigern unterbrochen worden, um über eine Verständigung auf ein Urteil ohne Beweisaufnahme zu beraten. Ergebnis: Vier Angeklagte müssen mit einer Geldstrafe rechnen. Der Journalist äußerte sich erst am frühen Nachmittag.

Er bestritt, dass er die CD kaufte, um Fischer unter Druck zu setzen. Vielmehr habe sein Interesse dem Vorwurf gegolten, dass der Schauspieler die Prostituierten nicht bezahlt habe. "Ich habe die CD entgegengenommen und habe Herrn Fischer auf dem Handy angerufen", sagte der Journalist. Es sei Teil des Journalismus', den betreffenden Personen Rechercheergebnisse vorzuhalten. Die Axel Springer AG hatte die Vorwürfe schon vor dem Prozess zurückgewiesen. Die Anklage kriminalisiere die journalistische Recherche und gefährde die Pressefreiheit, sagte ein Sprecher.

"Der Inhalt der CD war zu keinem Zeitpunkt redaktionell verwertbar", betonte der 29-Jährige in seiner Aussage. Die PR-Agentin Fischers habe von sich aus ein Interview angeboten. Er habe sich bereiterklärt, ihr die kompromittierenden Aufnahmen zu übergeben, sagte der Ex-"Bild"-Mitarbeiter. Später habe er die CD jedoch zweimal durchgebrochen und in den Papierkorb geworfen, ohne sie einem "großen Personenkreis" gezeigt zu haben.

In dem Exklusivinterview unter dem Titel "Die Huren nutzten meine Krankheit aus!" hatte Fischer im Herbst 2009 dem beschuldigten Journalisten über sehr Privates Auskunft gegeben. Er berichtete von seiner "schweren Zeit", in der er "die Dame meines blöden Vertrauens" kennenlernte und davon, wie die Prostituierten ihn um mehrere zehntausend Euro brachten.

Laut Staatsanwaltschaft hatte eine der Prostituierten gemeinsam mit Mittätern die Unterschrift Fischers auf mehreren Kreditkartenbelegen gefälscht und dadurch mehr als 74 000 Euro von seiner Kreditkarte abgebucht. Das Betrugsdelikt wird gesondert vom aktuellen Verfahren verhandelt.

Katia Rathsfeld, DPA / DPA